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GEW: „Echte Soforthilfe für Studierende statt neuer Schuldenberge“

Bildungsgewerkschaft kritisiert Darlehenspläne der Bundesbildungsministerin

14.04.2020

Frankfurt a.M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Pläne von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), von der Corona-Krise betroffenen Studierenden ein zinsloses Darlehen als Überbrückungshilfe anzubieten, als unzureichend kritisiert. „Es ist zu begrüßen, dass die Ministerin endlich Handlungsbedarf sieht, auch den in Not geratenen Studentinnen und Studenten einen Platz unter dem Corona-Rettungsschirm der Bundesregierung einzuräumen. Es wäre aber falsch, ihnen lediglich einen Kredit anzubieten und sie so zu zwingen, weitere Schuldenberge anzuhäufen. Wie bei der Soforthilfe für Selbstständige und Unternehmen, sollte auch eine Soforthilfe für Studierende unbürokratisch und als Zuschuss erfolgen“, sagte Andreas Keller, stellvertretender GEW-Vorsitzender und Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung, am Dienstag in Frankfurt a.M.

Er machte darauf aufmerksam, dass nur jede achte Studentin bzw. jeder achte Student Ausbildungsförderung nach dem BAföG beziehe und zwei Drittel aller Studierenden nicht nur während der Semesterferien, sondern auch in der Vorlesungszeit jobben müssten. Leistungen der Grundsicherung nach dem Zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (Arbeitslosengeld II) stünden ihnen in der Regel nicht offen. „Ein plötzlicher Wegfall der Einkünfte aus diesen Jobs konfrontiert viele Studierende mit der Frage, wie sie Miete, Lebensmittel oder die für die Teilnahme am Online-Studium erforderliche Internetverbindung bezahlen sollen. Besonders betroffen sind viele ausländische Studierende. Wir brauchen eine schnelle und unbürokratische Hilfe aus einem vom Bund eingerichteten Studienfonds“, mahnte Keller.

„Die Auszahlung von Zuschüssen statt Krediten würden auch den Verwaltungsaufwand deutlich begrenzen. Darüber hinaus wäre es leichter, geeignete Träger für eine Umsetzung der Soforthilfe wie etwa die Studierendenwerke zu finden“, sagte Keller. Der Hochschulexperte sprach sich außerdem dafür aus, Vertreterinnen und Vertreter gewählter Studierendenvertretungen an den Entscheidungen über die Vergabe der Soforthilfen aus einem Studienfonds zu beteiligen. „Es wäre fatal, wenn die Corona-Krise zehntausende Studierende zum Studienabbruch zwänge. Eine Verschärfung des Fachkräftemangels in vielen Bereichen, auch im Bildungs- oder Gesundheitsbereich, wäre die Folge“, betonte der GEW-Vize.