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GEW: „Durchbruch im Kampf gegen Befristungspraxis in der Wissenschaft“

Bildungsgewerkschaft begrüßt Initiativen der Hochschulrektoren und Regierungsfraktionen

25.04.2012

Frankfurt a. M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Initiativen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Regierungsfraktionen für berechenbare Karrierewege und stabilere Beschäftigungsbedingungen in der Wissenschaft begrüßt. „Hochschulen und Forschungseinrichtungen müssen verantwortungsbewusst mit Zeitverträgen umgehen. Sie sollen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern berechenbare Berufsperspektiven eröffnen. Nun gehen Rektoren und Koalition erste Schritte in diese Richtung. Das zeigt: Das von der GEW initiierte ‚Templiner Manifest‘ für den ‚Traumjob Wissenschaft‘ wirkt“, erklärte das für Hochschule und Forschung verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller am Mittwoch in Frankfurt a.M.

Keller begrüßte die gestern von der Mitgliederversammlung beschlossene Empfehlung der HRK an ihre Mitgliedshochschulen, planbare Karrierewege zu schaffen, für eine familienfreundliche Verlängerung von Zeitverträgen zu sorgen, wenn Kinder betreut werden, und Dauerstellenkonzepte zu entwerfen. „Entscheidend ist, dass die Empfehlungen tatsächlich vor Ort umgesetzt und verbindlich ausgestaltet werden. Die GEW sowie ihre Vertreterinnen und Vertreter in den Selbstverwaltungsgremien und Personalräten sind bereit, die Hochschulleitungen bei der Erarbeitung entsprechender Standards zu unterstützen“, sagte der GEW-Hochschulexperte. Dem neu gewählten HRK-Präsidenten, Professor Horst Hippler, bot Keller entsprechende Gespräche an.

Auch in dem für die Bundestagssitzung am Donnerstag eingebrachten Antrag der Regierungsfraktionen CDU/CSU und FDP sieht Keller einen „Durchbruch im Kampf gegen Befristungspraxis in der Wissenschaft“. „Zeitverträge der Beschäftigten müssen so lange wie die Projekte laufen; ein vereinbartes Qualifikationsziel muss innerhalb eines befristeten Arbeitsvertrages erreicht werden können; Teilzeitstellen müssen mindestens den Umfang einer halben Stelle haben. Diese Ziele unterstützt die GEW ausdrücklich“, betonte Keller. Entscheidend sei aber die Frage, wie der Bundestag diese Ziele umsetzen könne. „Die GEW hält es nach wie vor für richtig, der übermäßigen Befristungspraxis durch eine Änderung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes entgegenzutreten. Wenn Union und FDP ‚Hire and Fire‘ in der Wissenschaft nun durch Aufsichtsmaßnahmen gegenüber den Forschungseinrichtungen und Vereinbarungen mit den Ländern bekämpfen möchten, ist das ein wichtiger erster Schritt.“

Info: Die Mitgliederversammlung der HRK hat am Dienstag in Hamburg eine „Empfehlung von Leitlinien für die Ausgestaltung befristeter Beschäftigungsverhältnisse mit wissenschaftlichem und künstlerischem Personal“ verabschiedet (Link s. Infobox rechts oben).
Der Bundestag wird am Donnerstag einen Antrag der Fraktionen CDU/CSU und FDP über „Exzellente Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs fortentwickeln“ in erster Lesung beraten (DS 17/9396 - Download s. Infobox rechts oben).

Die GEW hat 2010 als Ergebnis ihrer 4. Wissenschaftskonferenz in Templin das „Templiner Manifest" für eine Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung vorgelegt, das fast 9.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner unterstützen. Am 28. März hatte Andreas Keller in einer umfangreichen Stellungnahme vor dem Bundestagsbildungsausschuss aufgezeigt, was der Bund zur Verbesserung der Perspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchses beitragen kann.