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GEW: „Druck auf Große Koalition erhöhen!“

Zeitverträge in der Wissenschaft: Bildungsgewerkschaft fordert Reform und startet Aktionswoche

02.11.2015

Berlin - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erhöht in dieser Woche den Druck auf die Große Koalition, um eine Reform des Zeitvertragsrechts in der Wissenschaft durchzusetzen. "Neun von zehn wissenschaftlichen Angestellten an Hochschulen haben einen Zeitvertrag, über die Hälfte der Zeitverträge läuft nicht einmal ein Jahr. Mit diesem Befristungswahn muss endlich Schluss sein! Wir brauchen eine echte Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes - mit kosmetischen Reparaturen ist es nicht getan", sagte der stellvertretende GEW-Vorsitzende und Hochschulexperte Andreas Keller am Montag während einer Pressekonferenz seiner Organisation.

Am Donnerstag wird der Bundestag den Entwurf der Bundesregierung für eine Novellierung des Gesetzes in erster Lesung beraten. "Die GEW begrüßt, dass die Große Koalition die Missstände an Hochschulen und in der Forschung nicht länger leugnet. Mit den wachsweichen Formulierungen des Regierungsentwurfs lässt sich allerdings kein echter Kurswechsel in der Befristungspraxis durchsetzen. Der Bundestag muss den Entwurf gründlich gegen den Strich bürsten. Schon der Bundesrat hat den Gesetzentwurf der Bundesregierung als unzureichend kritisiert", sagte Keller. "Wenn Nachwuchswissenschaftler befristet beschäftigt werden, um sich zu qualifizieren, müssen sie einen Rechtsanspruch auf Qualifizierung in der Arbeitszeit bekommen. Für Zeitverträge müssen konkrete und verbindliche Mindestlaufzeiten gelten. Wer Kinder betreut, muss einen Anspruch auf Vertragsverlängerung bekommen. Gewerkschaften und Arbeitgeber müssen endlich Tarifverträge über Zeitverträge schließen dürfen - weg mit der Tarifsperre!", mahnte der Hochschulexperte.

Um den Druck auf Regierung und Parlament zu erhöhen, hat die GEW vom 2. bis 6. November zu einer bundesweiten Aktionswoche aufgerufen. Diese steht unter dem Motto "Traumjob Wissenschaft". "In der Aktionswoche werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deutlich machen, dass sie endlich faire Beschäftigungsbedingungen und verlässliche Berufsperspektiven bekommen müssen. Das völlig aus dem Ruder gelaufene Befristungsunwesen ist nicht nur unanständig gegenüber hoch qualifizierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, es unterminiert auch die Kontinuität und damit die Qualität von Forschung und Lehre", kritisierte der GEW-Vize.

Info: Im Rahmen der Aktionswoche "Traumjob Wissenschaft", zu der die GEW vom 2. bis 6. November aufgerufen hat, sind über 100 Aktionen an Wissenschaftsstandorten in allen 16 Bundesländern geplant. Zum Auftakt der Woche ziehen heute in Berlin 50 in roten und grünen Ganzkörperanzügen gekleidete Aktivisten von der Humboldt-Universität zum Brandenburger Tor. 45 rote und fünf grüne Anzüge veranschaulichen das Verhältnis von befristet und unbefristet beschäftigten wissenschaftlichen Angestellten an Hochschulen. 

Das Plenum des Deutschen Bundestages wird am Donnerstag, 5. November, den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes in erster Lesung beraten. Weitere Informationen, einschließlich einer Synopse mit dem geltenden Gesetzestext, dem Regierungsentwurf und dem Gesetzentwurf der GEW finden Sie hier.