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GEW: „Die anderen Länder müssen nachziehen“

GEW kündigt bundesweite Aktionen für gerechte Lehrkräftebezahlung „JA13“ an - Start: 12. November.

12.11.2018

Frankfurt a.M. – Mit bundesweiten Aktionen erhöht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) den Druck auf die Kultus- und Finanzministerinnen und -minister, sich für die gleiche Bezahlung aller voll ausgebildeten Lehrkräfte einzusetzen. „Gleichwertige Arbeit muss gleich entlohnt werden. Immer noch werden in den meisten Bundesländern Grundschullehrkräfte und in einigen Lehrkräfte in der Sekundarstufe I schlechter bezahlt als Lehrerinnen und Lehrer etwa am Gymnasium. Deshalb müssen alle Lehrkräfte nach A13 (Beamtinnen und Beamte) und E13 (Angestellte) bezahlt werden“, sagt Frauke Gützkow, im GEW-Vorstand für die „JA-13-Kampagne“ verantwortlich, mit Blick auf die heute startenden  Aktionstage. Sie macht deutlich, dass dies „ein wichtiger Schritt ist, den dramatischen Lehrkräftemangel zu bekämpfen. Wir müssen den Beruf attraktiver machen, damit mehr junge Menschen ein Lehramtsstudium beginnen.“ Die Aktivitäten der GEW-Landesverbände für die gleiche Bezahlung der vollausgebildeten Lehrkräfte laufen vom 12. bis 23. November.

Gützkow sieht „Rückenwind“ für den Vorstoß der GEW, weil mehrere Bundesländer die Grundschullehrkräfte jetzt nach A13/E13 bezahlen. „Einige Landesregierungen haben bereits verstanden, dass es höchste Zeit für eine bessere Bezahlung der Grundschullehrkräfte ist. Die anderen Länder müssen jetzt nachziehen“, betont das GEW-Vorstandsmitglied. Gützkow, die auch für Frauenpolitik verantwortlich ist, unterstreicht zudem, dass zurzeit insbesondere Frauen benachteiligt würden: „Über 90 Prozent der Grundschullehrkräfte sind Frauen. Frauenarbeit ist genau so viel wert wie die Arbeit der Männer.“

Neben der Grundschule stehe die Sekundarschule im Fokus der Aktionen, sagt Gützkow. Vor allem Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Bayern und Hamburg zahlten auch an anderen Schularten nach wie vor A12/E11. Aber auch hier gebe es Bewegung: In Thüringen sollen die Regelschullehrkräfte, die dortige Sekundarschule, ab 2020 mit Lehrkräften an Gymnasien, berufsbildenden Schulen und Förderschulen bei der Bezahlung gleichziehen. Der thüringische Kultusminister Helmut Holter (Die Linke), zugleich amtierender Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), ließ zudem im Sommer durchblicken, dass er die Durchlässigkeit für Lehrkräfte zwischen den Schulen erhöhen wolle. „Ein richtiger Schritt“, so Gützkow, „dafür braucht es eine Lehrkräfteausbildung, die für alle Lehrämter gleich lang ist und sich nicht an Schulformen, sondern an Klassenstufen orientiert.“

Info: Berlin und Brandenburg kündigten nur wenige Tage nach den GEW-JA13-Aktionen 2017 an, alle voll ausgebildeten Grundschullehrerkräfte nach A13/E13 zu bezahlen und setzten dies um. Auch für die Lehrerinnen und Lehrer, die noch nicht die neue Ausbildung absolviert haben, die zehn Semester lang ist. In Sachsen sollen ab 2019 alle vollständig ausgebildeten Grundschullehrkräfte nach A 13/E 13 bezahlt werden. Schleswig-Holstein hat einen Stufenplan nach A 13 vorgelegt, der bis 2025 läuft. Die GEW setzt sich für eine Verkürzung dieses Plans ein. In Nordrhein-Westfalen werden zudem die Rektorinnen und Konrektorinnen an größeren Grundschulen nach A 14 bezahlt.

Laut einer aktuellen Prognose der KMK fehlen im laufenden Jahr 11.500 Lehrkräfte, um den Bedarf an Neueinstellungen zu decken – zusätzliche Bedarfe etwa für eine erfolgversprechende Umsetzung der Inklusion oder den Ganztag sind in diesen Zahlen nicht berücksichtigt. Für 2019 und 2020 gehen die für schulische Bildung zuständigen Ministerinnen und Minister von je 3.000 fehlenden Lehrkräften aus. Bis 2030 braucht es jährlich im Schnitt 31.900 Neueinstellungen; aktuell werden jährlich jedoch nur 31.200 Lehrkräfte mit ihrer Ausbildung fertig. Besonders dramatisch fällt der prognostizierte Mangel in beruflichen Fächern der Sekundarstufe, an Berufsschulen und in den sonderpädagogischen Lehrämtern aus. Auch für Grundschulen und den Sekundarbereich I erwartet die KMK „zum Teil große Engpässe“. Regional nennt sie Berlin sowie die ostdeutschen Länder als Mangel-Zentren.

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