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GEW: „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht!“

Bildungsgewerkschaft ruft an den Goethe-Instituten zum „Schwarzen Freitag“ als Protest gegen verfehlte Personalpolitik auf

16.11.2017

Frankfurt a. M./Berlin – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ruft für Freitag, den 17. November 2017 an den Goethe-Instituten in Deutschland zum Protest „Schwarzer Freitag“ auf. Die Beschäftigten kommen in schwarzer Kleidung zur Arbeit und nutzen die Pausen für Protestaktionen. Sie machen damit ihrem Ärger über die verfehlte Personalpolitik des Goethe-Vorstands Luft, der in seinen Sprachkursen seit Jahren überwiegend auf Honorarlehrkräfte setzte und dadurch in eine Krise geriet. Die Lehrkräfte unterstützen mit ihrem Protest die Forderungen der GEW zu den laufenden Tarifverhandlungen.

„Für die Beschäftigten ist das Ende der Fahnenstange längst erreicht. Der Vorstand des Goethe-Instituts muss endlich einsehen, dass die Inlandsinstitute nur mit einer anderen Personalpolitik eine Zukunft haben. Die Priorität muss bei unbefristet und fest angestellten Beschäftigten liegen. Das werde ich am Montag in den Verhandlungen auch so vertreten“, erklärte GEW-Tarifexperte Daniel Merbitz den Protest.

Die GEW hatte den Vorstand des Goethe-Instituts bereits im Februar zu Gesprächen über Beschäftigungssicherung aufgefordert. Die Bildungsgewerkschaft macht sich für eine neue Personalpolitik stark, die überwiegend auf regulär im Arbeitsverhältnis beschäftigten Lehrkräften basiert. „Die Verhandlungen ziehen sich ohne Ergebnis hin, weil der Vorstand des Goethe-Instituts von den Beschäftigten weitere Opfer fordert“, sagte Merbitz. Der Goethe-Vorstand wolle die Unterrichtsverpflichtung erhöhen, gleichzeitig aber freie Tage, die dem Ausgleich von Mehrarbeit dienen, aus dem Tarifvertrag streichen. „Die Beschäftigten sind nicht zu weiteren Opfern bereit, nur um die verfehlte Personalpolitik des Vorstands auszugleichen“, betonte Merbitz. Am Montag, dem 20. November werden die Verhandlungen fortgesetzt.

Seit Ende Januar diesen Jahres sind die Goethe-Institute im Inland in einer schweren Krise. Auslöser war eine Überprüfung der vielen Honorarverträge durch die Deutsche Rentenversicherung, die zu dem Ergebnis kam, dass es sich in fast allen Fällen um „Scheinselbständigkeit“ handelt. Dem Goethe-Institut drohen erhebliche Nachzahlungen. In der Folge wurden zunächst keine Honorarlehrkräfte mehr beschäftigt und zahlreiche Kurse abgesagt. Für die Festangestellten bedeutete das zusätzliche Belastungen und erhebliche Mehrarbeit. Seit dem Sommer setzt das Goethe-Institut wieder Honorarlehrkräfte ein, doch zu schlechteren Bedingungen als zuvor. Sie dürfen unter anderem keine Prüfungen mehr durchführen und fühlen sich zu Lehrkräften zweiter Klasse degradiert. Neu eingestellte Lehrkräfte erhalten zudem nur befristete Verträge – die Zukunft ist ungewiss.

Info: Das Goethe-Institut ist weltweit mit 159 Instituten in 98 Ländern als öffentlich geförderter Kulturmittler tätig. Im Inland betreibt es 12 Institute, an denen Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird. Die Inlandsinstitute müssen sich aus den Sprachkurserlösen selbst finanzieren. In den vergangenen Jahren wurden die Sprachkurse überwiegend von rund 400 Honorarlehrkräften durchgeführt. Im Jahr 2017 wurden über 70 Lehrkräfte eingestellt, darunter viele ehemalige Honorarlehrkräfte. Ihre Verträge sind jedoch befristet, zunächst bis Ende 2017. Inzwischen gibt es Angebote, die Verträge bis Ende 2018 zu verlängern.

Die GEW ist die für die Beschäftigten des Goethe-Instituts zuständige Gewerkschaft. Die Arbeitsbedingungen an den Goethe-Instituten sind seit Jahrzehnten tarifvertraglich geregelt. Für die Tarifbeschäftigten an den Inlandsinstituten wird weitgehend der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) angewendet.

Ansprechpartner vor Ort ist Tarifreferent Oliver Brüchert (Tel.: 0151/29272052).

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