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GEW: „Bund und Länder haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht“

Bildungsgewerkschaft zum OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2014“

09.09.2014

Frankfurt a.M./Berlin – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stellt mit Blick auf den heute veröffentlichten OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2014“ fest: „Es bleibt dabei: Bund und Länder haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Die Achillesferse des deutschen Bildungswesens: Es ist schlecht finanziert und sozial selektiv.“

„Die Bundesrepublik muss endlich mehr Geld ins Bildungswesen investieren. Seit Jahren mahnen die OECD, aber auch viele Bildungsstudien und -Experten einen deutlichen Zuwachs der Ausgaben an. Die nach langem Gezerre endlich für die gesamte Legislaturperiode beschlossenen sechs Milliarden Euro sind nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Noch immer investiert Deutschland ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts weniger in Bildung als im OECD-Durchschnitt“, sagte der stellvertretende GEW-Vorsitzende Andreas Keller am Dienstag in Frankfurt a.M. Er machte deutlich, dass eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Kommunen notwendig sei, um die Herausforderungen für den Bildungsbereich zu stemmen. „Dafür muss das Kooperationsverbot fallen – und zwar komplett und sofort“, betonte Keller. Eine nachhaltige Bildungsfinanzierung müsse bei der anstehenden Reform der Bund-Länder-Finanzbeziehungen oberste Priorität haben.

Die Wissensgesellschaft stelle immer größere Anforderungen an das Qualifikationsniveau der Menschen. Deshalb sei der Trend zu höheren Bildungs- und Ausbildungsabschlüssen in Deutschland zu begrüßen. „Aber auch hier legt die OECD den Finger in die Wunde. Entgegen der aktuellen Diskussion in der Bundesrepublik um eine angebliche ‚Akademikerschwemme‘ stellt der Bericht fest, dass Deutschland im internationalen Vergleich immer noch zu wenige Hochschulabsolventen hat“, unterstrich Keller. Die Hochschulen müssten sich endlich sozial öffnen, mehr beruflich qualifizierten Menschen den Zugang zum Studium ermöglichen und sich stärker auf eine heterogene Studierendenschaft einstellen. „So machen wir die Hochschulen attraktiver und können den Nachholbedarf verringern“, sagte Keller, der auch Hochschulexperte der Bildungsgewerkschaft ist.

Unterstützung gebe die OECD für eine angemessene Bezahlung der Lehrkräfte: Die im internationalen Lehrkräfte-Vergleich ordentliche Bezahlung sei ein unverzichtbares Instrument, um in Zeiten des beginnenden Fachkräftemangels junge Menschen für diesen Beruf zu gewinnen. „Allerdings muss hier noch deutlich nachgearbeitet werden. Ein erster Schritt in die richtige Richtung: Alle angestellten Lehrkräfte – sie haben bisher keinen Tarifvertrag, der ihre Bezahlung regelt – zu tarifieren und sie gleichzeitig besser zu bezahlen. So können wir einem Lehrkräftemangel entgegensteuern. Eins ist aber auch klar: Andere, vergleichbare Hochschulabsolventen verdienen in Deutschland besser als Lehrkräfte“, betonte der GEW-Sprecher.

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