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GEW: „Bologna-Probleme nicht kaschieren, sondern lösen“

Bildungsgewerkschaft fordert „Master-Plan für mehr Master-Plätze“

06.05.2011

Frankfurt am Main/Berlin - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Bund und Länder davor gewarnt, die Probleme bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses an den deutschen Hochschulen zu verschleiern. „Die Akzeptanz der neuen Bachelor-Abschlüsse auf dem Arbeitsmarkt ist nach wie vor unbefriedigend. Gleichzeitig haben es Studierende immer schwerer, einen Master-Studienplatz zu bekommen. Diese Probleme dürfen nicht kaschiert, sondern müssen gelöst werden“, sagte Andreas Keller, das für Hochschulen verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied heute auf der „nationalen Bologna-Konferenz“ in Berlin.

Die auf der Bologna-Konferenz präsentierten Studien gäben keinen Anlass, sich zwei Jahre nach den Bildungsprotesten zurückzulehnen. „Im Gegenteil: Es ist alarmierend, wenn nach Angaben der Kultusministerkonferenz schon jetzt ein Viertel aller Masterstudiengänge mit einem Numerus clausus belegt ist. Zum einen, weil die Zahl der Bachelor-Absolventen in den kommenden Jahren drastisch ansteigen wird. Zum anderen, weil über den Numerus clausus hinaus der Zugang zum Masterstudium von einer besonderen ‚Eignung’ abhängig gemacht wird,“ sagte Keller.

Der Mangel an Master-Plätzen wiegt aus Sicht der GEW besonders schwer, weil die Berufsperspektiven des Bachelor in vielen Fällen schlecht seien. „Weniger als ein Viertel aller Absolventinnen und Absolventen von Uni-Bachelorstudiengängen steht in einem Normalarbeitsverhältnis. Nur 40 Prozent von ihnen sind ausbildungsadäquat beschäftigt. Der Bachelor ist vielen Fällen nicht berufsbefähigend“, erklärte Keller. Er bezog sich dabei auf eine Untersuchung des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, die auf der Bologna-Konferenz vorgestellt wurde. Besonders problematisch sei die Situation in der Lehrerbildung. „Niemand wird mit dem Bachelor zum Referendariat zugelassen und das ist auch gut so. Wer Lehramtsstudierenden den Master verweigert, schickt sie mit einem halbfertigen Studium von der Uni weg“, kritisierte der GEW-Hochschulexperte.

Keller forderte Bund, Länder und Hochschulen auf, die Probleme ernst zu nehmen und zu lösen: „Wo die Akzeptanz der Bachelorstudiengänge zu wünschen übrig lässt, müssen diese auf den Prüfstand. Gleichzeitig müssen alle Bachelor-Absolventen die Garantie bekommen, ein Masterstudium anschließen zu können, wenn sie das möchten. Bund und Länder sollten umgehend einen Master-Plan vorlegen, um ausreichend Master-Plätze zu schaffen.“

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