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GEW bietet KMK Zusammenarbeit im Kampf gegen Lehrkräftemangel an

10.05.2017

Abschluss des 28. Ordentlichen Gewerkschaftstags der Bildungsgewerkschaft vom 6. bis 10. Mai in Freiburg

Freiburg i. Brsg. - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bietet der Kultusministerkonferenz (KMK) und den Landesregierungen die Zusammenarbeit im Kampf gegen den sich verschärfenden Lehrkräftemangel an. "In den meisten Bundesländern können schon heute viele ausgeschriebene Stellen nicht mehr mit voll ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden. Die Folgen sind dramatisch: Gesellschaftlich wichtige Projekte wie der Ausbau der Ganztagsbetreuung, die Weiterentwicklung der Inklusion, die Integration Geflüchteter und der Anschluss an das digitale Zeitalter werden gefährdet. Und: Die Mangelsituation geht auf die Knochen der Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen", sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe am Mittwoch zum Abschluss des 28. Gewerkschaftstages in Freiburg. Erste Schritte, die sofort angegangen werden müssen, seien die Ausweitung der Ausbildungskapazitäten für künftige Lehrkräfte vor allem für das Grundschullehramt, der Erhalt des Stellenpools und dessen bedarfsgerechter Ausbau. Dafür müssten deutlich mehr Ressourcen bereitgestellt werden. "Diese Gelder müssen entlang der Leitlinie 'Schulqualität sichern - Reformen offen halten' gesteuert werden. Wir wollen die Bildungsgerechtigkeit verbessern und endlich wieder attraktive Arbeitsbedingungen schaffen. Nur so können wir mehr junge Menschen für den wunderbaren Beruf des Lehrers, der Lehrerin gewinnen", betonte Tepe. Als weitere zentrale Themen, die die GEW nach dem Gewerkschaftstag auf die politische Tagesordnung setzen wird, benannte sie "Bildung in der Migrationsgesellschaft" und "Inklusion".

Sie verlangte einen "Paradigmenwechsel in der Integrationspolitik". Diese müsse den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Gleichberechtigung fördern sowie von arbeitsmarkt-, sozial- und bildungspolitischen Reformen flankiert werden. "Bildung in der Migrationsgesellschaft ist direkt mit dem Leitbild inklusiver Bildung verknüpft", betonte die GEW-Vorsitzende. "Bildung ist ein Menschenrecht. Es darf weder vom Aufenthaltsstatus, der Dauer eines Asylverfahrens oder der individuellen Bleibeperspektive abhängig gemacht werden. Wir brauchen einen bildungspolitischen Kurswechsel, um gute Bildung für alle Menschen umzusetzen." Tepe stellte fest, dass beispielsweise das Recht auf Schulbesuch für Geflüchtete und Asylsuchende in Schulgesetzen und -verordnungen angepasst werden müsse. Ebenso seien bürokratische Hürden abzubauen, damit die Schulpflicht vom ersten Tag an bzw. schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen greifen kann. Auch Qualifikationen, die Menschen in anderen Ländern erworben haben, müssten in Deutschland leichter und schneller anerkannt werden, damit die Integration in Ausbildung und Beruf reibungsloser klappt. Tepe machte aber auch deutlich, dass gleichzeitig "alle Bildungsbereiche quantitativ und qualitativ ausgebaut werden müssen". Das gelte für die Weiterentwicklung der Ganztagsangebote, aber ebenso für den frühkindlichen und berufsbildenden Bereich. Auch die Lernangebote für Erwachsene, besonders die Integrationskurse müssten kontinuierlich weiterentwickelt und aktuellen Anforderungen angepasst werden. Die GEW-Vorsitzende unterstrich, dass Aus- und Fortbildung aller pädagogischen Fachkräfte stärker auf die migrationsgesellschaftliche Realität auszurichten sei. Dafür müssten u.a. Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und Mehrsprachigkeit zu einem integralen Bestandteil der Qualifizierung von Pädagoginnen und Pädagogen werden.

"Es gibt keine Alternative zur Inklusion", betonte Tepe. Sie wies jedoch darauf hin, dass Politik gerade dabei sei, den Erfolg einer umfassenden inklusiven Entwicklung des Bildungswesens aufs Spiel zu setzen. "Es werden zu wenig Gelder, zu wenig Personal und Zeit sowie wissenschaftliche Begleitung des Inklusionsprozesses bereit gestellt. Letztlich fehlt es am politischen Willen, inklusive Bildung und damit die verbrieften Menschenrechte umzusetzen", sagte die GEW-Vorsitzende. "Das bedeutet schlechte Arbeitsbedingungen für Lehr- und sozialpädagogische Fachkräfte sowie schlechte Lernbedingungen der Schülerinnen und Schüler." Tepe schlug ein Bündel an Maßnahmen vor, das für einen erfolgreichen Weg zu einem inklusiven Bildungswesen erforderlich sei. Dazu gehöre, das Parallelsystem von Förder- bzw. Sonderschulen und allgemeinen Schulen schrittweise aufzuheben. Zudem seien zusätzliche Personalressourcen bereitzustellen. "Dabei gilt der Grundsatz: Schulen, die etwa in sozialen Brennpunkten arbeiten, müssen stärker unterstützt werden als Schulen, die im Villenviertel liegen", hob Tepe hervor. Sie machte sich für den Ausbau "multiprofessioneller Teams" stark. Für eine gelingende Inklusion sei die Zusammenarbeit unterschiedlicher pädagogischer Professionen auf Augenhöhe notwendig. "Wir brauchen allgemeine und sonderpädagogische Lehrkräfte sowie sozialpädagogische, therapeutische und andere Fachkräfte", sagte die GEW-Vorsitzende. Sie machte deutlich, dass inklusive Pädagogik kleinere Klassen, aber auch entsprechende räumliche Rahmenbedingungen verlange. Dabei sei Barrierefreiheit in Schulbauplanung und -sanierung systematisch aufzunehmen. Last but not least müsse die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Pädagoginnen und Pädagogen auf die Anforderungen einer inklusiven Pädagogik ausgerichtet werden.

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