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GEW: „Beschäftigung stabilisieren, Mitnahmeeffekte ausschließen“

Bildungsgewerkschaft begrüßt SPD-Vorschläge für wissenschaftlichen Nachwuchs- und akademischen Mittelbaupakt

22.04.2015

Frankfurt a.M. - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Vorschläge der SPD-Bundestagsfraktion für einen „Pakt für den wissenschaftlichen Nachwuchs und akademischen Mittelbau“ begrüßt. Sie hat Bund und Ländern Unterstützung bei der Umsetzung angeboten. „Immer mehr Zeitverträge mit immer kürzeren Laufzeiten, lange und steinige Karriereweg – es ist höchste Zeit für wirksame Gegenmaßnahmen von Bund und Ländern. Der Pakt, den die SPD-Fraktion vorgeschlagen hat, könnte einen wichtigen Beitrag für die Stabilisierung von Beschäftigung und berechenbare Laufbahnen an den Hochschulen leisten – Bund und Länder müssen dafür jetzt die Weichen stellen“, erklärte Andreas Keller, stellvertretender GEW-Vorsitzender und Hochschulexperte, am Mittwoch in Frankfurt a.M.
Keller formulierte zugleich Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung des Nachwuchs- und Mittelbau-Pakts. „Der Pakt muss auf Nachhaltigkeit angelegt sein. Mit immer mehr Zeitverträgen ist niemandem geholfen. Geförderte Hochschulen müssen schlüssige Personalentwicklungs- und Gleichstellungskonzepte nachweisen. Sie müssen garantieren, dass die mit dem Pakt finanzierten Stellen dauerhaft in unbefristete Stellen umgewandelt werden. Es darf keine Mitnahmeeffekte geben“, mahnte der GEW-Sprecher.

Darüber hinaus komme es darauf an, dass die Nachwuchs- und Mittelbauförderung in der Fläche wirke. „Die GEW teilt den Ansatz, personalpolitisch besonders engagierte Hochschulen, die attraktive Karrierewege und Beschäftigungsbedingungen schaffen, zu unterstützen. Darüber hinaus brauchen wir aber bundesweit an allen Hochschulen und Forschungseinrichtungen geltende Mindeststandards. Die GEW erwartet daher von der Koalition, dass sie umgehend einen Entwurf für die Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes vorlegt“, sagte der GEW-Vize.

Keller bot Bund und Ländern schon jetzt die Zusammenarbeit an, wenn der Nachwuchs- und Mittelbau-Pakt umgesetzt wird. „Mit dem Herrschinger Kodex ‚Gute Arbeit in der Wissenschaft‘ hat die GEW einen Instrumentenkasten vorgelegt, mit dem Hochschulen und Forschungseinrichtungen für verlässliche Karrierewege und faire Beschäftigungsbedingungen sorgen können. Um den Pakt auszugestalten, haben wir viele gute Ideen und können die Erfahrungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die wir vertreten, einbringen“, machte der GEW-Hochschulexperte deutlich.

Info: Die Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der SPD-Bundestagsfraktion hat heute ein Eckpunktepapier für einen „Pakt für den wissenschaftlichen Nachwuchs und akademischen Mittelbau“ vorgelegt. Vorige Woche hatten sich die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD bereits auf eine entsprechende „Personaloffensive“ verständigt. Für einen Zeitraum von zehn Jahren sollen Bund und Länder insgesamt eine Milliarde Euro bereitstellen. Das SPD-Papier sieht die Schaffung zusätzlicher Juniorprofessuren mit Tenure Track-Option, die Förderung neuer Karrierewege für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie einen Wettbewerb für besonders engagierte Hochschulen vor.

Neun von zehn wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an Hochschulen sind befristet beschäftigt, über die Hälfte der Zeitverträge hat eine Laufzeit von weniger als einem Jahr, neben der Professur gibt es für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fast keine dauerhaften Perspektiven. Dagegen richtet sich seit 2010 die GEW mit ihrer Kampagne für den „Traumjob Wissenschaft“ („Templiner Manifest“): // www.templiner-manifest.de.

Mit dem „Herrschinger Kodex“ „Gute Arbeit in der Wissenschaft“ hat die GEW 2012 Vorschläge für eine aktive Personalpolitik von Hochschulen und Forschungseinrichtungen gemacht: // www.herrschinger-kodex.de