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GEW: „Berufliche und akademische Bildung verzahnen“

Bildungsgewerkschaft: Einkommens- und Beschäftigungsperspektiven für beruflich Qualifizierte verbessern - neue Initiativen für mehr Durchlässigkeit starten

12.11.2015

Berlin/Frankfurt a.M. - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnt eine bessere Verzahnung zwischen beruflicher und akademischer Bildung an. "Nicht Konkurrenz, sondern ein gegenseitiger Bezug des Berufsbildungs- und des Hochschulsystems tragen zu einer Lösung der gesellschaftlichen Anforderungen an das Bildungs- und Beschäftigungswesen bei", sagte Ansgar Klinger, für Berufliche Bildung und Weiterbildung der GEW verantwortlich, zum Auftakt der GEW-Tagung "Akademisierung der beruflichen Bildung" am Donnerstag in Berlin. "Die Diskussion um die Akademisierung der Berufswelt ist zugleich eine über die 'Verberuflichung' der Hochschulen."

"Die Hochschulen müssen sich noch deutlich mehr für Menschen öffnen, die beruflich qualifiziert sind", betonte Klinger. Heute habe fast jeder zweite Berufseinsteiger einen akademischen Abschluss. Das sei keine Entwertung von Abschlüssen, sondern ein Gewinn, der eng mit dem Wunsch nach gesellschaftlichem Aufstieg verbunden ist. "Nicht die Abschottung, sondern eine höhere Durchlässigkeit zwischen den beiden Systemen ist die richtige Antwort", sagte Klinger.

Die Arbeitgeberverbände beklagten zwar mantraartig den Fachkräftemangel, aber sie haben "in der Vergangenheit Chancen versäumt, klare Beschäftigungs- und Aufstiegsperspektiven zu entwickeln". Viele junge Menschen sähen deshalb im Studium oder dem "Dualen Studium" einen guten Einstieg ins Berufsleben und Karrierechancen, hob Klinger hervor. Dabei habe das "Duale Studium" in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Die Vielfalt und der organisatorische "Wildwuchs" der dualen Studiengänge bedürften jedoch dringend einer Regulierung - ähnlich wie das Berufsbildungsgesetz seinerzeit zu einer Systematisierung der dualen Ausbildung geführt habe. Angesichts der unterschiedlichen Formen des dualen Studiums sei eine klare Beschreibung der Rolle der berufsbildenden Schulen erforderlich. "Auch in Zukunft muss die duale Ausbildung sowohl für leistungsstärkere Jugendliche attraktiv gestalten werden als auch Leistungsschwächeren ein Recht auf Ausbildung und damit gesellschaftliche Teilhabe eröffnen", sagte der Berufsbildungsexperte. "Denn eins dürfen wir bei der Diskussion um die 'Akademisierung' nicht vergessen: Es ist ein gesellschaftliche Skandal, dass nach wie vor mehr als 1,3 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 29 Jahren keinen Berufsabschluss haben!"

Info: Die GEW-Bundestagung "Akademisierung der beruflichen Bildung" findet am 12. und 13. November in Berlin statt. 

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