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GEW: „Berechenbare Karrierewege an Fachhochschulen schaffen!“

Bildungsgewerkschaft zum neuen Bund-Länder-Programm „Personal an Fachhochschulen“

19.11.2018

Frankfurt a.M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Einigung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) auf das neue Bund-Länder-Programm „Personal an Fachhochschulen“ begrüßt. Sie vermisst aber Ansätze, die Karrierewege der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Fachhochschulen zu verbessern. „Gut, dass Bund und Länder endlich grünes Licht für ein Fachhochschul-Personalprogramm gegeben haben. Die GEW hatte sich bereits 2016 für ein entsprechendes Vorhaben stark gemacht. Das neue Bund-Länder-Programm greift aber zu kurz, wenn es die Fachhochschulen nur bei der Finanzierung zusätzlicher Professuren unterstützt“, sagte Andreas Keller, stellvertretender GEW-Vorsitzender und Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung, mit Blick auf die jetzt bekannt gewordene Einigung der GWK. „Wir brauchen darüber hinaus wirksame Impulse, um berechenbare Karrierewege zu schaffen und die Beschäftigungsbedingungen an Fachhochschulen zu verbessern. Dazu gehören Tenure-Track-Professuren wie an Universitäten, aber auch der Auf- und Ausbau des akademischen Mittelbaus der Fachhochschulen.“

Die Aufgaben der Fachhochschulen seien in den vergangenen Jahren gewachsen, stellte Keller fest: „Fachhochschulen haben nicht nur in der Lehre, sondern auch in der angewandten Forschung, im Wissenstransfer und zunehmend bei der Förderung des eigenen wissenschaftlichen Nachwuchses Leistungen zu erbringen. Dafür brauchen sie eine aufgabenadäquate Personalstruktur und verlässliche Karrierewege über Tenure-Track-Professuren.“ Mit dem Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses finanzieren Bund und Länder von 2017 bis 2032 1.000 Tenure-Track-Professuren an Universitäten.

Dieses Modell sollte nach Kellers Überzeugung auch auf Fachhochschulen übertragen werden. „In vielen Fachrichtungen gibt es hoch qualifizierte Forscherinnen und Forscher, denen aber die für eine Fachhochschulprofessur notwendige Berufspraxis fehlt. Die mangelnde Praxis sollte künftig im Rahmen einer Tenure-Track-Professur nachgeholt werden können. So könnte die Praxiserfahrung zugleich wissenschaftlich begleitet und reflektiert werden“, erklärte der GEW-Hochschulexperte. „Um den Anteil der Frauen an der Zahl der Fachhochschulprofessuren zu erhöhen, sollten 50 Prozent der mit dem neuen Personalprogramm geförderten Professuren mit qualifizierten Wissenschaftlerinnen besetzt werden“, ergänzte Keller.

Darüber hinaus sollten Bund und Länder im Rahmen einer „Entfristungsoffensive“ für 10.000 zusätzliche Dauerstellen an Fachhochschulen für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen – „als Beitrag zum Ausbau des akademischen Mittelbaus, den diese Hochschulen benötigten, um ihrer erweiterten Aufgabenstellung gerecht zu werden“, unterstrich Keller.

Info: Die GWK hat das neue Bund-Länder-Programm „Personal an Fachhochschulen“ vorbehaltlich eines endgültigen Beschlusses im Umlaufverfahren auf den Weg gebracht. Zugleich wurde das Programm zur „Förderung der angewandten Forschung und Entwicklung an Fachhochschulen“ verlängert.

Auf einer Tenure-Track-Professur erwerben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Qualifikationen für eine reguläre Professur. Erreichen sie die Qualifizierungsziele, wird die Tenure-Track-Professur entfristet.
Die GEW hat in ihrer „Wittenberger Erklärung“ von 2016 500 Tenure-Track-Professuren sowie 10.000 Dauerstellen im akademischen Mittelbau für die Fachhochschulen gefordert.

2018 hat sie in ihrem „Budenheimer Memorandum“ die Forderung nach einer „Aufwertung der Fachhochschulen“ bekräftigt.

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