GEW - Die Bildungsgewerkschaft
Du bist hier:

GEW: „1.000 neue Tenure-Track-Professuren: gut so – aber nicht genug“

Bildungsgewerkschaft zum geplanten Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

20.05.2016

Frankfurt a.M. - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat das heute von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) vereinbarte Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses als weiteren Teilerfolg ihrer Kampagne für den "Traumjob Wissenschaft" gewürdigt. Sie forderte jedoch Nachbesserungen bei der Ausgestaltung des Programms. "1.000 neue Stellen sind gut - aber sie decken den Bedarf an den Hochschulen nicht. Wir brauchen 5.000 zusätzliche Tenure Track-Professuren, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern berechenbare Karriereperspektive eröffnen und die Betreuungsrelation zwischen Studierenden und Professorinnen und Professoren verbessern", sagte der stellvertretende GEW-Vorsitzende und Hochschulexperte Andreas Keller. Er bezog sich auf Berechnungen, die Anke Burkhardt vom Institut für Hochschulforschung der Universität Halle-Wittenberg im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung angestellt hat.

Die GEW hatte der Bundesregierung bereits 2013 im "Köpenicker-Appell" vorgeschlagen, ein Förderprogramm für verlässliche Karrierewege in der Wissenschaft aufzulegen. "Es ist gut, dass die Idee der Bildungsgewerkschaft aufgegriffen worden ist", sagte der GEW-Vize. "Das Programm, das Bund und Länder jetzt vereinbart haben, kann aber nur der Anfang sein. Es bleibt nicht nur quantitativ hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück. Unklar ist darüber hinaus, wie die Hochschulen zu mehr Dauerstellen neben der Professur kommen können. Der 15-prozentige Strategieaufschlag, den das Programm vorsieht, wird dazu kaum beitragen. Über das Nachwuchs-Programm hinaus sollten Bund und Länder eine Entfristungsoffensive im akademischen Mittelbau starten, damit die Daueraufgaben in Forschung und Lehre auf Dauerstellen erledigt werden können."

Keller kritisierte außerdem, dass das Programm keine verbindlichen gleichstellungspolitischen Standards enthalte: "Die GEW schlägt vor, dass mindestens 50 Prozent der Stellen für qualifizierte Wissenschaftlerinnen reserviert werden", sagte der GEW-Vize. Er erinnerte daran, dass heute nur eine von fünf Professuren mit einer Frau besetzt sei. Nur mit einer verbindlichen Quotierung könne das neue Programm wirksam zu mehr Chancengleichheit in der Wissenschaft beitragen.

Info:
Am Freitag, 20. Mai, hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern einen Entwurf für ein Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses vorgelegt, über den nun die Regierungschefinnen und -chefs von Bund und Ländern beschließen müssen.

Anke Burkhardt vom Institut für Hochschulforschung an der Universität Halle-Wittenberg hat im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung eine Expertise zu "Anforderungen an eine aufgaben- und qualitätsgerechte Ausstattung der Universitäten mit wissenschaftlichem Personal und Schlussfolgerungen für die Ausgestaltung eines Bund-Länder-Programms" vorgelegt. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Zahl der Professuren an Universitäten von derzeit rund 24.000 bis zum Jahr 2026 auf rund 42.000 erhöht werden müsse - wenn das Betreuungsverhältnis zwischen Professuren und Studierenden von derzeit 1 : 70 auf 1 : 40 verbessert wird. Das hatte der Wissenschaftsrat bereits 2008 empfohlen. Um den Bedarf an Professorinnen und Professoren zu sichern, müssten zusätzlich 5.700 Tenure-Track-Professuren eingerichtet werden - zusätzlich zu den bereits 1.600 Juniorprofessuren, die ebenfalls mit einem Tenure Track auszustatten sind. Bei einer sechsjährigen Laufzeit sind die Kosten einer Tenure-Track-Professur inklusive einer aufgabengerechten Personal- und Sachausstattung mit rund einer Million Euro zu veranschlagen. Die Ergebnisse der Expertise sind während des 7. Follow-up-Kongresses zum "Templiner Manifest" am 21. April in Berlin vorgestellt worden. Ausgewählte Befunde der Burkhardt-Expertise stehen auf der Website der GEW zum Download bereit.

Auf einer Tenure-Track-Professur qualifizieren sich promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für den Hochschullehrerberuf auf einer Lebenszeit-Professur. Erreichen sie die mit der Universität vereinbarten Ziele in Forschung und Lehre, wird ihre Stelle entfristet (Tenure Track).

In ihrem Köpenicker Appell hat die GEW 2013 die neue Bundesregierung zu wirksamen Maßnahmen für berechenbare Karrierewege und stabile Beschäftigungsbedingungen in der Wissenschaft aufgefordert. Zu den Vorschlägen gehörten eine Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes und ein Programm für verlässliche Karrierewege in der Wissenschaft.

Zurück