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GEW: „Deutschland ist kein Berufsbildungsparadies!“

Gewerkschaft zur Veröffentlichung des Berufsbildungsberichts: Ausbildungsgarantie jetzt

08.04.2014

Frankfurt a.M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) macht sich mit Blick auf die sinkende Zahl an Ausbildungsplätzen für die konsequente Umsetzung einer Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen stark. „Wir erwarten von der Bundesregierung, mit der im Koalitionsvertrag angesprochenen Ausbildungsgarantie sicherzustellen, dass alle Jugendlichen ohne Warteschleifen die Möglichkeit erhalten, eine anerkannte Ausbildung abzuschließen. Dafür müssen wieder mehr Betriebe Ausbildungsplätze anbieten. Unterstützungsmaßnahmen sowie die schulische Berufs- und Arbeitsweltorientierung müssen ausgebaut werden. Zudem ist die Qualität der Ausbildung in manchen Branchen zu verbessern“, sagte Ansgar Klinger, für berufliche Bildung verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied, am Dienstag in Frankfurt a.M. zu dem heute veröffentlichten Berufsbildungsbericht der Bundesregierung. „Von einem Berufsbildungsparadies ist Deutschland meilenweit entfernt. Die Zahl der Ausbildungsverträge ist mit 530.000 auf einen historischen Tiefstand seit der Deutschen Einheit gefallen – trotz gestiegener Zahl der Schulabgänger und guter Konjunktur.“ Das seien nur zwei Drittel der ausbildungsinteressierten Jugendlichen.

„Junge Menschen brauchen die bestmögliche Bildung und Ausbildung, unsere Gesellschaft ist auf hochqualifizierte Fachkräfte angewiesen. Bund und Länder müssen ebenso wie die Sozialpartner die Berufsausbildung wieder stärken“, betonte Klinger. „Die Arbeitgeber sind gut beraten, von ihrem hohen Ross herunterzukommen und junge Menschen nicht länger als ‚nicht ausbildungsreif‘ zu stigmatisieren. Die auf knapp 25 Prozent gestiegene Abbrecherquote deutet darauf hin, dass bei der Ausbildung in den Betrieben Einiges im Argen liegt. Die Verantwortlichen müssen die Qualität der Ausbildung dringend verbessern“, unterstrich der Berufsbildungsexperte.

Ferner zeigten internationale Vergleichsuntersuchungen, dass es in der Weiterbildung enormen Nachholbedarf gebe. „Neben einer hochwertigen Grundbildung für Erwachsene als Teil eines lebensbegleitenden Lernens ist eine qualitativ hochwertige Bildungs- und Berufsberatung einzurichten, die für die beruflichen Laufbahnen ebenso wie auch die individuelle Entwicklung der Lernenden von höchster Bedeutung ist. Das hat nicht zuletzt die OECD Deutschland ins Stammbuch geschrieben“, betonte Klinger.

Er wies darauf hin, dass im Berufsbildungsbericht 220.000 junge Menschen, die in Berufen des Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesens sowie in vollqualifizierenden Ausbildungen an Berufsfachschulen ausgebildet werden, kaum auftauchten. „Das muss sich endlich ändern“, sagte Klinger.

Info:
2013 blieben gut 257.000 junge Menschen ohne Ausbildung. Sie gingen in das so genannte Übergangssystem. Die Quote der Betriebe, die ausbilden, liegt bei 21,3 Prozent, einem historischen Tiefpunkt.