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GEW: „Brauchen große gesellschaftliche Kraftanstrengung!“

Bildungsgewerkschaft zur Gesamtstrategie „Fachkräfte für Kita und Ganztag“ des Bundesfamilienministeriums

Frankfurt a.M. - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnt, dass eine große Kraftanstrengung nötig sei, um die Attraktivität der Arbeits- und Rahmenbedingungen in allen Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe zu verbessern. „Wir brauchen endlich ein gesamtgesellschaftliches Handeln, wenn es um die Gewinnung und Bindung neuer, dringend gebrauchter Fachkräfte in der Frühen Bildung, Erziehung und Betreuung geht“, sagte Doreen Siebernik, GEW-Vorstandsmitglied Jugendhilfe und Sozialarbeit, in Berlin mit Blick auf die heute vorgestellte Gesamtstrategie „Fachkräfte für Kita und Ganztag“ des Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ). „Wenn wir nicht alle Kinder so begleiten und bestmöglich fördern, dass ihnen ein erfolgreicher Start ins Leben gelingt und sie ihren Platz in der Gesellschaft finden, sind die Auswirkungen auf das Wohlergehen der Kinder und damit auf die gesamte Gesellschaft dramatisch.“

„Die Fachkräftestrategie des Bundes ist ein wichtiger Schritt, um dem Fachkräftemangel in Kitas und Ganztag zu begegnen. Dennoch gibt es Nachbesserungsbedarf, insbesondere bei der Finanzierung, den Arbeitsbedingungen und der Anerkennung ausländischer Fachkräfte“, unterstrich Siebernik. Die GEW hat zu der BMFSFJ-Strategie eine Stellungnahme vorgelegt, in der sie die Notwendigkeit gerechter Bildungs- und Teilhabechancen für alle Kinder betont. „Wir schlagen ein systemisches betriebliches Gesundheits- und Qualitätsmanagement sowie bundeseinheitliche Qualitätsstandards für die Arbeitsbedingungen vor. In der Gesamtstrategie fehlen klare Vorgaben und Empfehlungen für eine solide Finanzierung des Projektes ebenso wie ein Bekenntnis zur Tariftreue“, hob Siebernik hervor.

Sie befürwortete eine praxisintegrierte und bezahlte Qualifikation der Fachkräfte und schlug zusätzlich eine stärkere Verzahnung zwischen Fachschulen/Fachakademien, Hochschulen und Praxis vor. Auch die schnelle Anerkennung und Integration ausländischer Fachkräfte sei enorm wichtig, bedürfe jedoch ausreichender Sprachkurse und niedrigschwelliger Weiterbildungsangebote während der Arbeitszeit. „Wir brauchen endlich einen Konsens in der Gesellschaft, eine Lobby für Kinder, dass Kinder in den Mittelpunkt gestellt werden müssen. Einerseits müssen sie geschützt, andererseits müssen ihnen Flügel verliehen werden, damit sie stark und emanzipiert ins Leben gehen können. Kinder dürfen nicht länger Schlusslicht in der gesellschaftlichen Diskussion bleiben“, betonte Siebernik. „Für die Fachkräfte von morgen gilt: Wer mit Kindern und jungen Menschen arbeiten will, ergreift einen der schönsten Berufe der Welt. Wir werden neue Fachkräfte aber nur dann gewinnen, wenn die Arbeits- und Rahmenbedingungen stimmen.“

Info: Die heute vorgestellte Gesamtstrategie des BMFSFJ, die in einem zweijährigen Prozess mit Akteuren des Bundes, der Länder sowie Expertinnen und Experten aus der Zivilgesellschaft erarbeitet worden ist, zeigt auf, wie kurz-, mittel- und langfristig Fachkräfte für das Berufsfeld gewonnen und in diesem gehalten werden können. Es ist richtig, dass wichtige Ansätze wie die generalistische Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher auf Level 6 des Deutschen Qualitätsrahmens (DQR) und damit auf dem Niveau des Bachelor Professional gestärkt werden sollen. Insbesondere vier Handlungsfelder wurden herausgearbeitet und entsprechende Maßnahmen beschrieben. Diese untergliedern sich in berufliche Orientierung, attraktive Aus- und Weiterbildung, Hebung zusätzlicher Berufsgruppen sowie in Arbeits- und Rahmenbedingungen. Viele dieser Maßnahmen laufen bereits.

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Ulf Rödde
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