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Sprachbildung - Deutsch als Zweitsprache - Mehrsprachigkeit

Sprache ist ein zentraler Schlüssel zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe. Die GEW sieht in der Sprachenvielfalt eine Chance und Bereicherung und setzt sich für eine durchgängige Sprachbildung ein, welche die mehrsprachigen Kompetenzen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen fördert.

Durchgängige Sprachbildung ist als Gesamtkonzept sprachlicher Bildung zu verstehen, in dem allen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer Erstsprache bildungsrelevante sprachliche Fähigkeiten vermittelt werden, die gute Schulabschlüsse ermöglichen und den Übergang in den Beruf erleichtern. Durchgängige Sprachbildung zieht sich durch die gesamte Bildungsbiografie. Sie nutzt die mehrsprachigen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen und deren Familien und fördert den Erhalt der Mehrsprachigkeit bereits in den Institutionen der frühen Bildung sowie durch Unterrichtsangebote in den Herkunftssprachen der Schülerinnen und Schüler.

Die Sicherung des Erwerbs der Bildungssprache Deutsch für Kinder und Jugendlichen ist eine Aufgabe aller Bildungseinrichtungen. Dafür macht sich die GEW stark.

Hintergrund

Sprachförderung hat hohe Priorität. ErzieherInnen begleiten Kinder auf dem Weg zu ihrer Sprache. Die Verankerung von Programmen in Kitas, die eine frühe sprachliche Bildung von Anfang an sicherstellen, ist daher nach Ansicht der GEW notwendig. Dies erfordert finanzielle und personale Ressourcen für Beratung und  Begleitung sowie die fachliche Unterstützung der Kita-Teams durch Aus-, Fort- und Weiterbildungen. Die GEW begrüßt das Förderprogramm des Bundesfamilienministeriums "Sprache & Integration" und unterstützt den Ansatz der alltagsintegrierten Sprachförderung.

Sich das Alphabet des Lebens anzueignen, ist ein Bildungsprozess. Kindertagesstätten sind gefordert, diesen Prozess zu unterstützen. Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat ein Förderprogramm entwickelt, mit dem Kindertagesstätten in die Lage versetzt werden, den Prozess der Sprachentwicklung systematisch zu verbessern. Seit März 2011 wird in über 3.000 Kindertagesstätten mit Unterstützung zusätzlicher Fachkräfte an Konzepten der Sprachförderung gearbeitet.

Die GEW hat bereits 2007 eine Stellungnahme zum Thema Sprachförderung in Kita und Schule verfasst. Darin wird ein umfassendes Konzept von Sprachförderung vorgeschlagen: Statt reiner Deutschförderung von Menschen mit Migrationshintergrund müsse Sprachförderung als Teil von Bildung und gesellschaftlicher Integration betrachtet werden.

Die GEW fordert zudem die Aufnahme von Deutsch als Zweitsprache sowie den Erwerb von Kompetenzen in sprachsensiblem Unterricht als verpflichtenden Bestandteil der Ausbildung für LehrerInnen aller Schularten und Fächer.

Im Juni 2012 besuchte eine GEW-Delegation mit Erzieherinnen aus Wittlich verschiedene italienische Kindergärten in den deutschsprachigen Städten Bozen und Brixen, um sich über Mehrsprachigkeit in der frühkindlichen Bildung in Südtirol zu informieren.

Die GEW sieht in der Sprachenvielfalt grundsätzlich eine Bereicherung. Mit Blick auf den Erhalt und die Förderung mehrsprachlicher Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen fordert sie daher auch den Rechtsanspruch auf Unterricht in Herkunfts- beziehungsweise Familiensprachen mehrsprachig aufwachsender Kinder und Jugendlicher. Zudem ist sie für die Aufnahme der in Deutschland gesprochenen Sprachen in die Lehramtsstudiengänge und ähnliche Angebote anderer Bildungseinrichtungen. 

Inklusion ist der völkerrechtliche Maßstab für ein Leben in Würde und Freiheit aller Menschen. Die UN-Kinderrechtskonvention aus dem Jahr 1998 und die UN-Behindertenrechtskonvention aus dem Jahr 2008 nehmen darauf Bezug und konkretisieren Ziele und Maßnahmen. Dabei werden Erziehung und Bildung besonders hervorgehoben. Inklusion ist aber keine Maßnahme nur für Menschen mit Behinderungen. Voraussetzung für Teilhabe ist Kommunikation. Und das wichtigste Medium von Kommunikation ist Sprache.

Integrationskurse stellen ein wichtiges staatlich gefördertes Sprach- und Orientierungsangebot für nach Deutschland Zugewanderte dar. Sie tragen maßgeblich zur beruflichen und gesellschaftlichen Integration bei. Gute und angemessene Lehr- und Lernbedingungen sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Kursteilnahme - das gilt sowohl für Teilnehmende als auch für Lehrende.