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Deutscher Qualifikationsrahmen - DQR

Bundesregierung und Kultusministerkonferenz haben sich darauf verständigt, auf Grundlage der Vorgaben des Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) einen DQR zu erarbeiten. Mit dem DQR wird erstmals ein Rahmen vorgelegt, der bildungsbereichsübergreifend alle in Deutschland erworbenen Qualifikationen erfassen soll. Dazu gehören nicht nur formale Bildungsabschlüsse, sondern auch non-formale sowie informell erworbene Kompetenzen.

Als nationale Umsetzung des EQR für lebenslanges Lernen soll der DQR die Besonderheiten des deutschen Bildungssystems berücksichtigen und zur angemessenen Bewertung und Vergleichbarkeit deutscher Qualifikationen in Europa beitragen. Zunächst werden alle formalen Qualifikationen des deutschen Bildungssystems in den Bereichen Schule, Berufliche Bildung, Hochschulbildung und Weiterbildung einbezogen. In zukünftigen Schritten sollen auch Lernergebnisse des non-formalen und informellen Lernens mit eingebunden werden. Ab 2012 soll auf allen Zeugnissen oder anderen Qualifikationshinweisen vermerkt sein, welchem von insgesamt acht festgelegten Referenzniveaus die Qualifikation zuzuordnen ist.

Mögliche Auswirkungen und Folgen durch die Einführung eines DQR

Der DQR kann dazu beitragen, dass erlangte Abschlüsse und Qualifikationen in der Bundesrepublik und in Europa transparenter werden. Dazu gehören erlangte formale Bildungsabschlüsse im System der allgemeinen Schulbildung, der beruflichen Erstausbildung, der Aufstiegsfortbildung und der Hochschulbildung, sowie Qualifikationen, welche über andere Lernwege erworben wurden. Inwieweit der DQR Einfluss auf das deutsche Tarifrecht ausübt, ist noch nicht abzusehen. Aktuelle Stellungnahmen der GEW zum DQR stehen im Downloadbereich zur Verfügung.

Einordnung von non-formalen und informellen Lernen im DQR

Der DQR führt zu einer längst überfälligen Debatte zur Anerkennung von non-formalen und informellen erworbenen Kompetenzen. Während in europäischen Nachbarstaaten die Möglichkeit bereits existiert, so zum Beispiel in Frankreich durch die Validation des acquis de l´Expérience oder in der Schweiz mit ihrer Gleichwertigkeitsprüfung als Anerkennungsverfahren nach Berufbildungsgesetz, ist dieses Thema in Deutschland noch zu wenig erforscht und findet daher noch keine Anwendung. Die Entwicklung des DQR schärft den europäischen wie auch den nationalen Blick für die Notwendigkeit, geeignete Verfahren für die Erfassung und Bewertung von Kompetenzen zu entwickeln und standardisierte Instrumente zur Anerkennung dieser Kompetenzen zu schaffen.