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Zukunft durch gute Bildung: Hochschulen vor Kürzungen in Schutz nehmen

Weltweit geraten Hochschulen unter den Druck massiver Kürzungen der Bildungshaushalte – als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise. Mit welchen Strategien stellen sich die Bildungsgewerkschaften dieser Entwicklung entgegen?

20.07.2011 - Andreas Keller

Foto: Andreas Keller, Manfred Brinkmann

Die Diskussion dieser Frage war einer der Schwerpunkte der Vor-Konferenz der Hochschuldelegierten (Higher Education Caucus) der sechsten Weltkonferenz der Bildungsinternationale, die vom 22. bis 26. Juli in Kapststadt (Südafrika) stattfindet. Rund 130 Hochschuldelegierte von Bildungsgewerkschaften aus der ganzen Welt versammelten sich am 20. Juli im Cape Town Internationale Convention Center, die von Grahame McCulloch, Generalsekretär der australischen Hochschulgewerkschaft NTEU (National Tertiary Education Union) und Vorstandsmitglied der Bildungsinternationale eröffnet wurde.

„Die Wirtschaftskrise hat die Regierungen in vieler Hinsicht mit einer bequemen Ausrede für eine so genannte Hochschulreform versorgt. Wir beobachten eine Reihe von Versuchen, die akademische Selbstverwaltung in den Hochschulen zu unterminieren um auf diese Weise die Stimmen von Lehrenden und Forschenden zu schwächen – das ist inakzeptabel“, sagte McCulloch. In ihrer Grundsatzrede äußerte sich Penni Stewart, die Vorsitzende der kanadischen Hochschulgewerkschaft CAUT (Canadian Association of University Teachers) besorgt über das Vordringen des Marktes im Bildungsbereich, in dem sie eine unmittelbare Bedrohung für die akademische Freiheit sah. “Wir müssen jetzt mit allem Nachdruck zum Ausdruck bringen, warum Hochschulbildung und Forschung als öffentliche Güter unerlässlich sind. Es kommt darauf an, in der Gesellschaft wieder die Rolle der Hochschulbeschäftigten als wichtige Akteure anzuerkennen, die sich tagtäglich an vorderster Front den Herausforderungen stellen, die wir zu bewältigen haben“, erklärte Stewart. Harold Tor, Referent beim Vorstand der Bildungsinternationale in Brüssel, gab einen Überblick über die Aktivitäten des weltweiten Dachverbands der Bildungsgewerkschaften im Bereich Hochschule und Forschung seit dem fünften Weltkongress 2007 in Berlin.

Über die Situation in einzelnen Weltregionen informierten Huda Koury (Naher Osten/Nordafrika), Comberty Rodriguez (Lateinamerika) und Jens vra Jensen (Europa). Carlos de Feo, Generalsekretär der argentinischen Hochschulgewerkschaft CONADU (Federación Nacional de Docentes Universitarios) gab einen Ausblick auf die nächste Welthochschulkonferenz der Bildungsinternationalen, die im Herbst 2012 in Buenos Aires stattfinden soll. Des weiteren beschäftigten sich die Delegierten mit den Anträgen, die den am Freitag beginnenden Weltkongress vorliegen. Von besonderer Bedeutung für Hochschule und Forschung ist ein Antrag der britischen Hochschulgewerkschaft UCU (University and College Union), mit dem der Vorstand der Bildungsgewerkschaften zu einer weltweiten Kampagne zum Schutz der Hochschulen vor der Kürzungspolitik der Regierungen in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise beauftragt werden soll. Der Antrag fasst die wesentlichen Ergebnisse der letzten Welthochschulkonferenz der Bildungsinternationale 2010 in Vancouver zusammen.

Die kanadische Hochschulgewerkschaft CAUT schlägt einen Aktionsplan der Bildungsinternationale vor, der sicherstellen soll, dass Verwertungsrechte von Verlagen nicht die Möglichkeiten von Dozentinnen und Dozenten einschränken, auf geeignete Materialien für die Hochschullehre zugreifen zu können. Ein Antrag des Vorstands der Bildungsinternationale fordert diese und ihre Mitgliedsorganisationen auf, jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die zunehmend unter prekären Bedingungen arbeiten müssen, gezielte Angebote zu machen und diese als Mitglieder einer Bildungsgewerkschaft zu gewinnen. Das Templiner Manifest der GEW, das auf dem Vor-Kongress in englischer und französischer Sprache verteilt wurde, wurde als Best-Practice-Beispiel für eine Kampagne zur gezielten Ansprache junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und zur Reform der Karrierewege in Hochschule und Forschung aufgenommen.

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