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Zukunft durch gute Bildung: Gemeinsam für Gleichstellung der Geschlechter

Was muss getan werden, damit Frauen mehr Chancen bekommen und Gleichberechtigung endlich Wirklichkeit wird? Darüber wurde engagiert beim Frauenforum der Bildungsinternationale in Kapstadt diskutiert.

21.07.2011 - Anne Jenter

Unter dem Motto „Zusammenarbeiten für die Gleichstellung von Frauen und Männern (‚gender equality’) in Schulen, Gewerkschaften und Gesellschaft – on the move for equality“ diskutierten mehr als dreihundert Kolleginnen und Kollegen im Kongresszentrum in Kapstadt einen Tag lang über gewerkschaftliche Initiativen zur Gleichberechtigung der Geschlechter.. Damit wurde der erfolgreiche Dialog fortgesetzt, der mit dem ersten Weltfrauenkongress der Bildungsinternationale (BI) Anfang 2011 in Bangkok begonnen hatte. Ziel war, Handlungsempfehlungen an den Weltkongress und den BI-Vorstand zu formulieren.

In der Begrüßung und den Redebeiträgen kam deutlich zum Ausdruck, dass Geschlechterpolitik auf Gleichheit und Fairness auf der Grundlage von Menschenrechten und sozialen Rechten zielt. Wichtige Umsetzungsinstrumente sind Erfahrungsaustausch, horizontal arbeitende Netzwerke, Forschung und Studien mit Daten und Analysen sowie die Zusammenarbeit mit Stiftungen. Die stellvertretende BI-Generalsekretärin Jan Eastman erinnerte an die Ergebnisse des ersten Weltfrauenkongresses der Bildungsinternationale in Bangkok. Ihre Botschaft: Wir brauchen jetzt Taten zur Umsetzung des weltweiten Aktionsplans für die Gleichstellung von Mann und Frau („global action plan for gender equality “) und wir sind auch imstande, die vorgesehenen Veränderungen einzuleiten. In einer ersten Diskussionsrunde wurden konkrete Erfahrung zwischen den fünf BI-Weltregionen Afrika, Europa, Nordamerika/Karibik, Lateinamerika und Asien ausgetauscht. Die Frage war, wie man in diesen unterschiedlichen Regionen nach dem ersten Weltfrauenkongress in Bangkok vom Reden zum Handeln kommt. Positiv hervorgehoben wurde, dass es in vielen afrikanischen Ländern bereits gewerkschaftliche Frauenkonferenzen und ‚gender desks’ (Auskunftsstellen zur Information und Beratung zu Gender-Fragen) gibt. Auch in der Karibik existieren gewerkschaftliche Frauenausschüsse und werden Workshops für Frauen in Führungspositionen angeboten. In Europa müssen wir uns verstärkt gegen Geschlechterstereotypen und für mehr Frauen in Führungspositionen einsetzen. Dafür werden Männer als Verbündete benötigt.

 Eine lateinamerikanische Kollegin forderte, dass der Weltfrauenkongress der BI in Thailand keine einmalige Veranstaltung gewesen sein dürfe, sondern institutionalisiert werden müsse. In einer beeindruckenden Rede informierte die südafrikanische Ministerin für Frauen, Kinder und Menschen mit Behinderungen, Lulama Xingwana, über die soziale Situation von Frauen in Südafrika und die bereits erzielten Verbesserungen. Während der nachfolgenden Diskussion berichtete eine Kollegin über die Situation von Frauen in asiatischen Ländern wie Indien, Pakistan, Nepal, Afghanistan und Bangladesch. Kolleginnen aus Nicaragua und dem Senegal konnten über Fortschritte in ‚gender equality’ in ihren Ländern berichten. Carol Bellamy, Vorsitzende der ‚Fast Track Initiative’ (FTI), die sich die Verwirklichung des Millenniumsziels ‚Bildung für alle’ zur Aufgabe gemacht hat, gab einen Überblick über das bisher Erreichte.. Ihre Schlussfolgerung: Gute Arbeitsbedingungen und Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern sind Grundlage für eine qualifizierte Bildung und Erziehung von Mädchen und Jungen. In sieben Workshops wurde anschließend ein Aktionsplan zur Stärkung der Rechte von Frauen, zur Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen und zur repräsentativen Vertretung in und durch die BI beraten, um Empfehlungen an den Kongress und den BI-Vorstand zu formulieren.

Wichtige Forderungen waren:

· Die Gleichstellung der Geschlechter in Bildungsgewerkschaften voranbringen.
· Geschlechterstereotypen durch Bildung und Erziehung verändern.
· Frauen und Mädchen vor Gewalt schützen: Welche Rolle spielen dabei Bildung und Erziehung einerseits und Gewerkschaften andererseits?
· Internationale Instrumente und Vereinbarungen für Frauen in Gang setzen und anwenden.
· Fortschritte mit Hilfe von Markierungen, Meilensteinen und Indikatoren messen und sichern.

Insgesamt bieten die in Kapstadt gesammelten Informationen und Diskussionsergebnisse gute Voraussetzungen für die Umsetzung des Aktionsplans sowie für weitere Beratungen und Entscheidungen in der BI und ihren Mitgliedsgewerkschaften.

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