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Zukunft durch gute Bildung: Besuch im Township

Der Mittwoch bringt der GEW-Delegation ein volles Besuchs- und Informationsprogramm an einem wunderbaren Wintertag im Township Masiphumelele und am Abend ein beindruckendes Treffen mit dem ANC-Veteranen Denis Goldberg.

20.07.2011 - Klaus Bullan

Foto: M. Brinkmann

Morgens stand die Fahrt zur staatlichen Sekundarschule bei Masiphumele an, einem Township dreißig Kilometer von Kapstadt entfernt. Was für ein Unterschied zur deutschen Schule in Kapstadt, die wir gestern besucht haben. 1.170 SchülerInnen werden hier von knapp vierzig LehrerInnen unterrichtet. Allein, dass es diese Schule gibt, ist ein Erfolg, erkämpft durch Straßenbesetzungen und das Engagement der örtlichen Bevölkerung. Die Schule macht einen guten Eindruck, Schüler und Lehrer scheinen sich wohl zu fühlen. Das Schulgeld beträgt symbolische fünf bis zehn Euro pro Jahr, die meisten SchülerInnen kommen aus Masiphumelele, einige sogar aus weiter enfernt liegenden Townships, weil die Schule in Masiphumelele einen guten Ruf hat. Der junge Schulleiter Nelson Mafrika ist auf Druck des Kollegiums berufen worden, seitdem ist die Schule erfolgreich - 82 Prozent der SchülerInnen erreichen inzwischen den Abschluss, das sind für eine Schule in dieser sozialen Lage sensationelle Ergebnisse. In Masiphumele leben auf einem Gebiet, das für 5.000 Menschen vorgesehen war, inzwischen 40.000 Personen auf engstem Raum, überwiegend in ‚shacks’, also Bretter- und Wellblechhütten. Die immer wiederkehrenden Brände zerstören Unterkünfte und Leben. Die Initiative „Häuser jetzt!“ hat – auch mit Hilfe der GEW – 370 Wohnungen in zweigeschossigen Wohnblocks aus Stein geschaffen, in denen Familien, vor allem alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern, leben. Für umgerechnet vierzig Euro Miete monatlich wird ihnen eine hochwertige Unterkunft geboten und zudem eine Zukunftsperspektive, denn nach einigen Jahren gehört die Wohnung ihnen. Neben dem Wohnungsproblem ist Arbeitslosigkeit (durchschnittlich über fünfzig Prozent) ein Riesenproblem einer Bevölkerung, die immer mehr zunimmt, weil in Südafrika nach wie vor eine massive Landflucht stattfindet. Schließlich führt uns Lutz van Dijk, Initiator auch des Projekts „Häuser jetzt“, ehemaliger GEW-Kollege aus Hamburg und inzwischen seit fünfzehn Jahren in Südafrika, zu dem von ihm mitbegründeten Projekt HOKISA, homes for kids in South Africa. In dem Kinderheim leben zur Zeit neunzehn Kinder und Jugendliche jeden Alters, die HIV-positiv sind oder bereits an AIDS erkrankt sind. Sie werden dort betreut und gehen zur Schule oder in den Kindergarten. Auch hier ist die GEW seit Jahren engagiert, um die Arbeit von Lutz und seinen MitstreiterInnen zu unterstützen. Wir sind beeindruckt und begeistert vom Engagement und von der Leistung so vieler Freiwilliger, die so viel zu konkreter Verbesserung der Menschen in diesem Township beitragen!

Eine großartige Abrundung dieses Tages ist das abendliche Beisammensein mit Denis Goldberg, einem inzwischen fast 80jährigen alten ANC-Kämpfer in Hout Bay, einem kleinen Küstenort ca. zwanzig Kilometer von Kapstadt entfernt. Denis Goldberg wurde zusammen mit Nelson Mandela und anderen ANC-Führern in den sechziger Jahren in Ribonia verhaftet, zu lebenslanger Haft verurteilt und saß 22 Jahre im Gefängnis, allerdings nicht in Robben-Island, weil dort keine Weißen inhaftiert wurden. Er empfängt uns mit einem kleinen Abriss seiner Geschichte und aktuellen Einschätzungen über die gegenwärtige Lage in Südafrika. Seine Zuversicht und sein Optimismus sind ungebrochen. Heute engagiert er sich in mehreren Projekten zur Unterstützung benachteiligter Kinder und Jugendlicher. Eine Kostprobe erhalten wir durch den Auftritt der örtlichen Musikakademie, in der Kinder und Jugendliche musikalisch ausgebildet werden und Auftritte haben. Dies dient, wie uns die Leiterin der Akademie erläutert, der Integration und der Überwindung von Schranken zwischen den verschiedenen sozialen und ethnischen Gruppen vor Ort. Die musikalische Darbietung einer Kindergruppe mit Perkussionsinstrumenten und einer kleinen Jazz-Band mit einer dreizehnjährigen Sängerin mit wunderbarer Stimme sind ein weiterer Höhepunkt an diesem Tag. Was für ein Land – und was für Menschen, die in schwierigen Zeiten massiver sozialer Gegensätze durch ihr Engagement dazu beitragen, dass es einigen Menschen in diesem Land ein wenig besser geht. Wir fühlen uns reich beschenkt, sie kennen zu lernen!

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