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Forschungsmagazin DJI ImpulseZu wenig Betreuungsplätze für Grundschulkinder

Fast drei Viertel der Eltern eines Grundschulkinds geben laut DJI-Studie an, Betreuungsbedarf zu haben. Doch nur knapp die Hälfte hat auch einen Platz in einem Hort oder einer Ganztagsschule.

26.11.2019

Beim Ganztagsangebot an Grundschulen gibt es eine große Kluft zwischen Angebot und Nachfrage: Laut Kinderbetreuungsstudie (KiBS) des Deutschen Jugendinstituts (DJI) hatten im Jahr 2018 fast drei Viertel aller Eltern eines Grundschulkinds Betreuungsbedarf. Doch nur knapp die Hälfte hatte laut amtlicher Statistik im Frühjahr 2018 tatsächlich einen Platz im Hort oder in einer Ganztagsschule.

Zwar haben bundesweit 16 Prozent der Grundschulkinder einen Platz in einer (Über-) Mittagsbetreuung; in Westdeutschland ist es sogar knapp jedes fünfte Grundschulkind. Doch anders als in Horten und Ganztagsschulen gibt es für die Mittagsbetreuung meist keine verbindlichen Regelungen mit Blick auf Dauer, Form und Qualifikation des Personals. An der KiBS nahmen 33.000 Familien mit Kindern unter zwölf Jahren teil. 

„Notwendig sind Standards, vor allem beim Personal.“  (Thomas Rauschenbach)

DJI-Direkor Thomas Rauschenbach sagte, der von der Bundesregierung ab 2025 geplante Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder sei zwar ein richtiger Schritt. Die Ganztagsschule dürfe aber nicht auf die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf reduziert werden. „Der Rechtsanspruch muss auch die Kinder im Blick behalten und dazu beitragen, die Potenziale ganztägiger Angebote für eine bessere Bildung zu nutzen.“ 

In der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse moniert Rauschenbach, dass im nicht-unterrichtlichen Teil der Ganztagsschulen bis heute keine Verbindlichkeiten gälten. „Notwendig sind Standards, vor allem beim Personal.“ In Ganztagsschulen müssten primär Fachkräfte arbeiten, nicht von sich selbst überzeugte Ehrenamtliche.

„Ich würde immer zwischen Bildung und bloßer Beaufsichtigung unterscheiden.“ (Ilka Hoffmann)

Die GEW plädiert mit Blick auf den Ganztag für ein Schulmodell, in dem sich Arbeits- und Ruhephasen in einem ausgewogenen Rhythmus über den Tag verteilen – auch um die Beschäftigten zu entlasten. Das Konzept eines solchen „rhythmisierten Schultags“ sei in den Schulen aber noch nicht angekommen, sagt GEW-Schulexpertin Ilka Hoffmann. Zudem betont sie: „Ich würde immer zwischen Bildung und bloßer Beaufsichtigung unterscheiden. Die Qualität im Ganztag muss stimmen.“ In einer gebundenen Ganztagsschule etwa müsse der Nachmittag aus mehr Bildungsangeboten bestehen, die idealerweise mit dem Vormittag im Einklang stünden.

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