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Zimmer frei? Immer seltener!

Rund 2,8 Millionen Studierende in Deutschland müssen sich nicht nur um Klausuren, Referate und Fachliteratur kümmern, sondern auch eine Bleibe finden. Doch in vielen Universitätsstädten ist der Markt angespannt, bezahlbarer Wohnraum fehlt.

04.12.2017

In vielen Uni-Städten ist der Wohnraum knapp, die Mietpreise steigen, ein Ende ist nicht in Sicht. Wie prekär die Wohnsituation für angehende Akademiker ist, zeigt die aktuelle Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) aus dem Juni: Mit durchschnittlich 323 Euro geben Studentinnen und Studenten am meisten Geld fürs Wohnen aus – mehr als ein Drittel des Budgets, das sie monatlich zur Verfügung haben. Die Miete belaste Studierende teils sehr stark, sagt DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde. „Manche müssen mit weniger als 700 Euro pro Monat auskommen, sie wenden im Schnitt fast die Hälfte für die Miete auf.“

Auch das Moses Mendelssohn Institut (MMI) analysiert in Kooperation mit dem Portal wg-gesucht.de regelmäßig den Wohnungsmarkt in allen 93 Uni-Städten, in denen mehr als 5.000 Studierende leben. Ergebnisse der Untersuchung von 2017: Der Wohnungsmarkt für Studierende ist ungünstiger als im Vorjahr. In Städten wie Tübingen, Leipzig, Rostock, Oldenburg, Essen oder Fulda finden Studentinnen und Studenten nicht mehr so leicht eine Wohnung wie früher. Am schwierigsten ist die Zimmersuche in München und Hamburg, am günstigsten das Wohnen in Cottbus. Dort zahlen Studierende für ein WG-Zimmer im Schnitt 208 Euro.

Meyer auf der Heyde rechnet nicht damit, dass sich die Situation in den kommenden Jahren entspannen wird: „Im Gegenteil gibt es einige Gründe, die dagegen sprechen.“ Mit 358.000 jungen Menschen aus dem Ausland sei an den Hochschulen jetzt schon eine Zielmarke erreicht, die von der Kultusministerkonferenz für das Jahr 2020 ins Visier genommen worden war. Zudem nehme die Zahl der Schulabgänger mit Hochschulzugangsberechtigung kontinuierlich zu. Und es gibt weniger Bachelor-Absolventen, die ohne Master in den Beruf einsteigen, als ursprünglich gedacht.

Michael Müller, regierender Bürgermeister von Berlin, plant eine Bundesratsinitiative für eine deutliche Erhöhung der BAföG-Wohnpauschale. Aktuell liegt diese bei 250 Euro – unabhängig von der tatsächlich zu zahlenden Miete. Von einer solchen Erhöhung hält der DSW-Generalsekretär indes nicht viel: „Eine Erhöhung der Wohnpauschale ermuntert die Vermieter, die Mieten noch weiter zu erhöhen.“ Stattdessen müssten die Wohnungsmärkte durch Neubauten entlastet werden und Städte den Studentenwerken dafür Grundstücke zur Verfügung stellen. 

Der Artikel von Britta Mersch ist in voller Länge in der Dezemberausgabe der „E&W“ veröffentlicht.

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