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VorbereitungsdienstZermürbender Kampf um Zulassung

Die Biologin Kim Luther unterrichtet seit Februar 2017 an einer Hauptschule im niedersächsischen Munster. Zum Schuljahresbeginn ist sie nach langem Hin und Her für den Vorbereitungsdienst zugelassen worden.

07.09.2018 - Michaela Ludwig, freie Journalistin

Ohne ihre Beharrlichkeit und die Unterstützung durch Schulleitung und Kollegium hätte Kim Luther wahrscheinlich auf halber Strecke aufgegeben. Die studierte Biologin ist nach der Geburt ihres Sohnes nicht in die freie Wirtschaft zurückgekehrt, sondern hat sich für den niedersächsischen Schuldienst beworben.

„Ich hatte immer Spaß daran, anderen etwas beizubringen“, erzählt die resolute 32-Jährige. Während der Schul- und Studienzeit besserte sie ihr Taschengeld durch Nachhilfe auf. Später unterrichtete Luther angehende Pflegeassistentinnen und -assistenten in Biologie und Anatomie. Nun, mit mehr Abstand zur eigenen Schulzeit, konnte sie sich gut vorstellen, die Rolle der Lehrerin einzunehmen. 

An der Schule sehr willkommen

Nach wenigen Monaten fand sie eine Vollzeitstelle an einer Hauptschule in Munster. Hier fühlte Luther sich „sehr willkommen“, ihre Einarbeitung war unkompliziert. Jede Woche fuhr sie ins Seminar nach Lüneburg. Im ersten Halbjahr unterrichtete die Quereinsteigerin als Zweitbesetzung, nach zwei Monaten stand sie erstmals allein vor ihren 26 Schülerinnen und Schülern. „Ich konnte mir viel pädagogisches Handwerkszeug abgucken, Fragen stellen und insbesondere im Umgang mit herausfordernden Schülern Hilfe holen“, erzählt sie. „Die Kollegen waren hilfsbereit und gaben Feedback.“ Im vergangenen Schuljahr übernahm sie die Klassenleitung einer 6. Klasse. Luther wollte sich nun eine Perspektive in dem neuen Beruf aufbauen – mit besserer Bezahlung – und bewarb sich um einen Platz im Vorbereitungsdienst.

Eine nach Luthers Worten „zermürbende“ Auseinandersetzung mit der zuständigen Landesschulbehörde hatte bereits ihre Einstellung begleitet. Denn die Behörde hatte die Zulassung für das Zweitfach Chemie verweigert, obwohl die Biologin die erforderlichen Studieninhalte nachweisen konnte. „Zum Glück wollte die Schule mich auch mit nur einem Fach haben“, erinnert sie sich. Wegen der fehlenden Zulassung wurde nach schier endlosen Wochen ihr erster Antrag auf einen Referendariatsplatz abgelehnt. Noch immer konnte niemand erklären, welche Inhalte fehlten.

Luther bewarb sich erneut und setzte ein langes Schreiben auf, in dem sie detailliert die chemischen Inhalte ihres Studiums auflistete. Wieder vergingen Wochen der Ungewissheit. Kurz vor den Sommerferien kam die ersehnte Zusage: Luther konnte im August in den Vorbereitungsdienst mit den Fächern Biologie und Chemie starten – an ihrer Schule.

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