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Wirtschaftslobbyismus an Schulen nimmt massiv zu

Angesichts der steigenden Einflussnahme von Unternehmen an Schulen schlägt die GEW die Einrichtung einer Anlaufstelle für Transparenz, Empfehlungen und Beschwerden vor. Und fordert mehr Geld für öffentliche Unterrichtsmaterialien.

31.10.2016

Die GEW-Schulexpertin Martina Schmerr kritisiert einen massiv zunehmenden Wirtschaftslobbyismus an Schulen, um Einfluss auf Unterrichtsinhalte zu nehmen. Besonders aktiv seien Finanzdienstleister und Versicherungskonzerne, sagte Schmerr dem Wirtschaftsblog "Oxi Blog". "Am häufigsten sorgen wir uns über manipulative oder unverhohlen werbende Unterrichtsmaterialien. Zum Beispiel, wenn Unternehmen ihre Produktpalette, ihre Firmenphilosophie und ihre ökonomische Weltsicht in den Unterricht tragen."

Zwar brauche die schulische Berufsorientierung die Kooperation mit Unternehmen, sagte die Referentin im Organisationsbereich Schule weiter. Dazu gehöre es aber auch, die Perspektive der ArbeitnehmerInnen kennenzulernen. Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft dürfe zudem nicht aus finanziellen Nöten entstehen, "wenn die Schulen und Lehrkräfte deshalb mit Unternehmen kooperieren, weil der Staat zu wenig Geld für die öffentliche Bildung und gute Schulmaterialien zur Verfügung stellt". Dann könnte die pädagogische Freiheit einer Art "Geschäftsbeziehung" untergeordnet werden.

Die GEW plädiert für eine "öffentliche Anlaufstelle, die Transparenz über die Produzenten und Finanziers dieser privaten Materialien herstellt, die Beschwerden aufgreift und überprüft und die Empfehlungen gibt". Schulen und Lehrkräfte bräuchen auch mehr öffentlich verantwortetes und geprüftes Schulmaterial. "Dafür muss mehr Geld investiert werden." In der LehrerInnenausbildung seien interdisziplinäre Konzepte wichtig, die Politik, Soziologie und Ökonomie integrierten, um das Thema Wirtschaft ganzheitlich im Unterricht zu behandeln.

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