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Wieder kein Angebot für den Sozial- und Erziehungsdienst

Während Gewerkschaften und Arbeitgeber in Hannover erneut zu Gesprächen über die Entgeltordnung für den Sozial- und Erziehungsdienst zusammenkamen, haben sich Tausende Beschäftigte in Norddeutschland an zahlreichen Warnstreiks beteiligt. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) zeigt sich jedoch weiterhin unbeeindruckt.

16.04.2015

Fotos: Sarah Sjögren, Daniel Merbitz, Marlies Wahl, Fredrik Dehnerdt

Zur vierten Verhandlungsrunde haben die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst (SuE) der Kommunen mit zahlreichen Warnstreiks in Norddeutschland einen großartigen Arbeitskampftag auf die Beine gestellt. Tausende Kolleginnen und Kollegen beteiligten sich an Warnstreiks und Kundgebungen in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Damit sendeteten sie ein eindeutiges Signal nach Hannover, wo Gewerkschaften und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) ihre Verhandlungen für eine neue Entgeltordnung (EGO) fortsetzten. Die Signale waren anscheinend noch nicht deutlich genug, denn ein Angebot der Arbeitgeber blieb erneut aus.

Aus Sicht der VKA dienen die Verhandlungen den Gewerkschaften lediglich als Kulisse für Warnstreiks und Demonstrationen. Mit diesem Ablenkungsversuch von den eigentlichen Inhalten wollen sich die Gewerkschaften aber nicht hinhalten lassen: "Wir erwarten, dass sich die Arbeitgeber in der nächsten Runde endlich bewegen und mit einem Angebot ein deutliches Zeichen zur Aufwertung der SuE-Berufe setzen. Wir wollen endlich Fortschritte sehen!" sagte Norbert Hocke, für Jugendhilfe und Sozialarbeit verantwortliches Vorstandsmitglied der GEW und Mitglied der Verhandlungskommission. Die GEW kündigte für die nächsten Tage weitere Warnstreiks an.

Schleswig-Holstein: Abschlusskundgebung mit GEW-Vorsitzenden Marlis Tepe

In der Landeshauptstadt Kiel machten gegen Mittag rund 300 Streikende bei einer Demonstration zum kommunalen Arbeitgeberverband ihrem Unmut darüber Luft, dass die Arbeitgeber noch kein Angebot vorlegt haben. Unterstützung erhielten die Streikenden in Kiel von der GEW-Bundesvorsitzenden Marlis Tepe. "Die pädagogische Arbeit in Kindertagesstätten wurde in den vergangenen Jahren deutlich aufgewertet: Arbeit mit Bildungsplänen, gezielte Sprachförderung, Kinderschutz, Umsetzung der Inklusion, Förderung und Integration von Flüchtlingskindern. Diese Aufwertung muss sich jetzt endlich auch bei der Bezahlung niederschlagen", rief die GEW-Bundesvorsitzende bei der Abschlusskundgebung unter dem Beifall der Streikenden.

Zuvor hatte der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn auf einer Streikversammlung im Kieler Gewerkschaftshaus Äußerungen der kommunalen Arbeitgeber zum Einkommen der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst aufs Korn genommen: "Was manche Arbeitgebervertreter zur Bezahlung von Erzieherinnen in die Mikros fabulieren, spottet jeder Beschreibung. Da werden Erzieherinnen wundersamerweise plötzlich zu Spitzenverdienerinnen. Deshalb hier noch einmal das Einstiegsgehalt von Erzieherinnen: 2360 Euro! Das Einstiegsgehalt von Sozialpädagogischen Assistentinnen: 2043 Euro! Nach 17 Jahren Berufspraxis verdient eine Erzieherin: 3300 Euro. Die Leiterin eine Kita mit 70 Plätzen bekommt zu Beginn: 2879 Euro! Das sind keine Spitzeneinkommen. Das ist die Realität. Und in dieser Realität liegen die Einkommen im Sozial- und Erziehungsdienst um rund 600 Euro unter dem Durchschnittseinkommen aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das muss endlich ein Ende haben!"

Sachsen-Anhalt: Warnstreiks in mehreren Städten

In Sachsen-Anhalt waren die Beschäftigten kommunaler Einrichtungen in Dessau, Halle (Saale), Köthen und Magdeburg zu Warnstreiks aufgerufen. Über 600 Kolleginnen und Kollegen setzten mit ihrer Beteiligung ein deutliches Zeichen für die nächste Verhandlungsrunde. Aus Halle und Magdeburg fuhren mehrere Busse zu der zentralen Kundgebung in Hannover, zusätzlich fanden sich knapp 50 Erzieherinnen und Erzieher im Hallenser Streiklokal der GEW ein.  

Auch in den Streiklokalen in Dessau und Köthen herrschte großer Andrang. In Dessau waren 250 Beschäftigte gekommen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. In Köthen waren neun der zehn Kindertageseinrichtungen geschlossen. Dort sprach Marlies Wahl, Leiterin des Vorstandsbereiches Jugendhilfe und Sozialarbeit in der GEW Sachsen-Anhalt, zu über 60 Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich des Sozial- und Erziehungsdienstes. "Der berechtigte gesellschaftliche Anspruch an eine engagierte und kompetente Entwicklungsbegleitung der Kinder lässt sich nicht mit Löhnen von vorgestern realisieren." Eine verbesserte Eingruppierung der qualifizierten Tätigkeiten sei schon lange überfällig.

Hamburg: Viele Berufsgruppen gemeinsam für Aufwertung

Bereits ab 9 Uhr trafen sich Erzieherinnen und Erzieher im Streikcafé um zur Kundgebung auf dem Gänsemarkt zu gehen. Dort stellte Anja Bensinger-Stolze, Vorsitzende der GEW Hamburg fest, dass gute Arbeit auch gut bezahlt werden muss. Anschließend startete ein Demonstrationszug mit gut 1.000 Teilnehmenden und zog zur Streikversammlung ins Curio-Haus.

Besonders erfreulich war die Teilnahme von Studierenden und SchülerInnen aus dem Berufsfeld Sozial- und Erziehungsdienst von der HAW, den Fachschulen für Sozialpädagogik (FSP 1 + 2) und der Anna-Warburg-Schule. "Wir befinden uns im Arbeitskampf, um eine Aufwertung dieses Bereiches zu erzielen, damit nicht nur die jetzigen, sondern auch die künftigen Kolleginnen und Kollegen eine ihre anspruchsvollen Arbeit entsprechende Bezahlung erhalten. Die Wertschätzung guter Arbeit darf sich nicht nur in ein paar netten Worten ausdrücken. Im Gegenteil, nur durch bessere Arbeitsbedingungen und eine attraktive Bezahlung wird man den qualifizierten Nachwuchs für den Erzieherberuf finden", so Jens Kastner, Kita-Tarifexperte der GEW Hamburg.

Die Verhandlungen werden am 20. und 21. April in Offenbach fortgesetzt.

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