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Unesco-BerichtWeltweit haben zu wenige Erwachsene Zugang zu Bildung

Deutschland gehört dem vierten Unesco-Weltbericht zur Erwachsenenbildung zufolge mit Blick auf Finanzierung und Qualität des Sektors zu den weltweit führenden Ländern. Die GEW sieht das anders und verweist auf große Abstände etwa zu Skandinavien.

06.12.2019

Weltweit haben noch immer zu wenige Erwachsene Zugang zu Bildung. Laut viertem Weltbericht zur Erwachsenenbildung der Unesco (Global Report on Adult Learning and Education, GRALE) nehmen in fast einem Drittel aller untersuchten Staaten weniger als fünf Prozent der Erwachsenen, die älter als 15 Jahre sind, an Bildungsprogrammen teil. Besonders für Menschen mit Behinderung, ältere Erwachsene, Flüchtlinge und Migrantinnen und Migranten sind die Hürden hoch.

„Unsere Anstrengungen dürfen deshalb nicht nachlassen, sondern wir müssen diese noch verstärken.“ (Anja Kaliczek)

Der Weltbericht macht deutlich, dass die Ausgaben für Erwachsenenbildung in den vergangenen zehn Jahren im globalen Vergleich zurückgingen – sowohl in Ländern mit niedrigem als auch mit hohem Einkommen. Fast ein Fünftel aller Länder gab an, weniger als 0,5 Prozent seines Bildungsbudgets in die Erwachsenenbildung zu investieren. Bei weiteren 14 Prozent der Staaten war es weniger als ein Prozent. Deutschland gehört zu den 19 Prozent aller Länder, die mehr als vier Prozent für Erwachsenenbildung ausgeben.

„In Deutschland haben wir bereits viel geleistet, aber in Zeiten sich schnell wandelnder Anforderungen wird lebenslanges Lernen immer wichtiger. Deshalb müssen wir für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft noch sehr viel mehr in die Bildung erwachsener Menschen investieren“, sagte die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria BöhmerBundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) erklärte, der Fokus auf die Erwachsenenbildung werde „in den nächsten Jahren noch wichtiger werden. Unsere Anstrengungen dürfen deshalb nicht nachlassen, sondern wir müssen diese noch verstärken“.

„Die Abstände in der Weiterbildungsbeteiligung zu den skandinavischen Ländern oder auch den Niederlanden sind enorm und kein Anlass für Eigenlob.“ (Ansgar Klinger)

Die GEW sieht den Bericht unterdessen weniger positiv. Zwar hätten in Deutschland 72 Prozent der Menschen mit mindestens einem Bachelor- oder vergleichbaren Abschluss in den vergangenen 12 Monaten an einer Weiterbildung teilgenommen. Bei Menschen ohne oder mit einem Abschluss unterhalb des Sekundarbereichs II seien es jedoch gerade einmal zehn Prozent, rechnete GEW-Vorstandsmitglied Ansgar Klinger vor. „Dass Deutschland hier leicht oberhalb des OECD-Durchschnitts liegt, ist kein Ruhmesblatt; die Abstände in der Weiterbildungsbeteiligung zu den skandinavischen Ländern oder auch den Niederlanden sind enorm und kein Anlass für Eigenlob.“

Mit Blick auf die Finanzierung gehöre Deutschland zwar zu den 20 von 107 Ländern, die mehr als vier Prozent ihres Bildungsbudgets für Erwachsenenbildung aufwendeten . Für 42 von 149 Ländern – darunter Skandinavien und die Niederlande – lägen indes keine Daten vor. 

Die Bildungsgewerkschaft stimmt jedoch den länderübergreifenden Empfehlungen und Forderungen der Autorinnen und Autoren des Unesco-Weiterbildungsberichtes zu. Konkret fordern diese: 

  1. verstärkte Investitionen von Regierungen, Arbeitgebern und weiteren Akteuren in die Erwachsenenbildung
  2. dass Geberländer ihren Hilfsverpflichtungen gegenüber Entwicklungsländern nachkommen und ihre Bildungsfinanzierung neu ausrichten, um die Bildung von Erwachsenen und Kindern zu fördern
  3. mehr Forschung zu guter Praxis, insbesondere in Bezug auf schutzbedürftige und marginalisierte Gruppen
  4. die Anerkennung, dass Investitionen in die Erwachsenenbildung soziale und wirtschaftliche Vorteile haben
  5. integrierte, ressortübergreifende politische Konzepte, um Erwachsenenbildung mit den notwendigen Budgets in den Mitgliedstaaten umzusetzen
  6. bessere Daten, insbesondere für einkommensschwache Länder und ausgeschlossene oder schutzbedürftige Gruppen wie etwa Migranten und Flüchtlinge