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Weltbildungsbericht 2016

In Bonn wurde am 13. September der neue UNESCO Weltbildungsbericht vorgestellt. Der diesjährige Bericht beschäftigt sich nicht mehr nur mit Entwicklungsländern. Erstmalig wird auch die Bildung in den reichen Ländern untersucht.

26.09.2016 - Manfred Brinkmann

Gute Bildung für alle weltweit bis 2030

Unter dem Titel "Education for people and planet: Creating sustainable futures for all" stellten das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) und die deutsche UNESCO Kommission am 13. September 2016 in Bonn den aktuellen Weltbildungbericht vor. Während frühere Weltbildungsberichte der UNESCO sich auf Bildung in Entwicklungsländern beschränkten, nimmt der aktuelle Bericht nun auch die wohlhabenden Länder der Erde in den Blick. Grund dafür sind die im letzten Jahr von der UN beschlossenen 17 Globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals – SDG), die weltweit gültig sind und bis zum Jahr 2030 verwirklicht werden sollen. Ziel vier fordert, inklusive, gerechte und hochwertige Bildung für alle zu gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle zur fördern. In zehn weiteren Unterzielen zu Ziel vier (SDG 4) wird konkretisiert, was dafür getan werden muss.

Erhebliche Anstrengungen notwendig

Es mag kaum verwundern, dass die ärmeren Länder von der Verwirklichung des Bildungsziels noch weit entfernt sind. Der Direktor des Weltbildungsberichts Prof. Dr. Aaron Benavot erklärte, dass dies vor allem an fehlender finanzieller Unterstützung liege. Aber auch die reichen Länder müssten deutlich mehr Geld in Bildung investieren, wenn sie SDG 4 erreichen wollten. Wenn es so weiter ginge wie bisher, so Benavot weiter, werde kein Land in Europa oder Nordamerika es schaffen, allen Jugendlichen bis 2030 einen Abschluss der oberen Sekundarstufe zu ermöglichen. Der Bildungsexperte betonte insbesondere die Bedeutung des Unterziels 4.7., welches die Verbindung zu allen übrigen 16 Nachhaltigkeitszielen darstellt. Darin wird gefordert, dass "alle Lernenden die Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben, die zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung erforderlich sind, u. a. durch Vermittlung von Wissen über nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensführung, Menschenrechte, Geschlechtergerechtigkeit, Förderung einer Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgertum und Anerkennung der kulturellen Vielfalt sowie des Beitrags der Kultur zur nachhaltigen Entwicklung."

Entwicklungsministerium will 25 Prozent mehr für Bildung ausgeben

Bei den deutschen Kultusministerien scheint die universelle Gültigkeit von SDG 4 noch nicht angekommen zu sein. So hätten sich nach Aussage von Achim Beule, Berichterstatter der Kultusministerkonferenz für „Bildung für nachhaltige Entwicklung", nur fünf Kultusminister auf eine Einladung der Deutschen UNESCO-Kommission zu einem Gespräch zur Umsetzung von SDG 4 in Deutschland zurückgemeldet. Positives wusste Roland Lindenthal vom BMZ zu berichten: Entwicklungsminister Gerd Müller hätte 25 Prozent mehr Geld für Bildung in der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit in Aussicht gestellt. Dass auch dies allein nicht ausreiche, um den Entwicklungsländern zu helfen, Ziel vier zu erreichen, machte Aaron Benavot deutlich. Dafür müssten die reichen Ländern ihre Mittel für Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit versechsfachen. Ansonsten würden die globalen Bildungsziele nicht vor 2084 erreicht.

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