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Weiterbildungsakademie 2014: "Arbeitsplatz Weiterbildung – Profession und Profil"

Mit der Konferenz vom 23. bis 25. Oktober 2014 in Halle (Saale) möchten wir gemeinsam mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg einen aktiven Beitrag leisten, um die Beschäftigtensituation in den Bereichen der allgemeinen, kulturellen, politischen Erwachsenenbildung aber auch in der beruflichen Weiterbildung zu verbessern und theoretisch zu reflektieren.

04.08.2014

Mit der diesjährigen Herbstakademie hat die GEW das Thema "Arbeitsplatz Weiterbildung - Profession und Profil" in den Vordergrund gerückt. Nach einem einführenden Vortrag von Frau Professor Ulla Klingovsky (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) zur Thematik widmete sich die anschließende Diskussion vor allem der allerorts zu beobachtenden Deprofessionalisierung und Dequalifizierung. Vertreter aus den Volkshochschulen, von Trägern der beruflichen Weiterbildung, der Integrationskurse und der politischen Bildung berichteten in der ersten Podiumsdiskussion, dass in ihren Arbeitsbereichen zwar Erwachsenenbildner tätig sind, teils aber ganz andere Professionen dominieren. Das Risiko der Vereinzelung und der Prekarisierung wird deutlich, nicht zuletzt daran erkennbar, dass Weiterbildnern/innen das Recht auf Weiterbildung wegen der unzureichenden Finanzierungsbedingungen vorenthalten wird! In der Summe führt dies zu Zweifeln an der eigenen Profession und findet eine gewerkschaftliche Schlussfolgerung, sich nicht vereinzeln zu lassen, sondern sich zu organisieren und zusammenzuschließen.

Anschließend bilanzierte Wiltrud Gieseke, Seniorprofessorin an der HU Berlin, die Professionalisierung der Erwachsenenbildung von der Konstruktion einer Professionsentwicklung hin zur Destruktion von Profession, hin zur Marktentwicklung unter Effizienzgesichtspunkten und zur Reorganisation von Ansprüchen an die Bildungsarbeit. Sie zeigt eine Perspektive auf, sich nicht einer vollständigen Ökonomisierung hinzugeben und die Professionalisierungsbemühungen aufzulösen, indem man sie auf gemeinsame Arbeitswelten von Pädagogen beschränkt, die in irgendeiner Lebensphase zusammenarbeiten. In der folgenden Diskussion wird die Forderung nach einem bundesweiten Weiterbildungsgesetz erneut aufgestellt und - angesichts der unzureichenden Berücksichtigung der Weiterbildung im Koalitionsvertrag - der Wunsch nach einer Enquetekommission der Bedeutung des lebensbegleitenden Lernens angesichts der gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen geäußert.

Die an der Universität Duisburg-Essen beschäftigten Bildungsforscher Julia Alfänger, Robert Cywinski und Arne Elias stellten belastbare Befunde und Daten einer von der Hans-Böckler-Stiftung finanzierten Studie zur sozialen Situation der Beschäftigten in der Weiterbildung vor und zeigten die Dramatik der Prekarisierung vor allem in der öffentlich finanzierten Weiterbildung deutlich auf.

Anschließend erarbeiteten die Teilnehmer/innen in vier Foren konkrete Lösungsansätze vorgefundener Problemfelder. Dabei durchzog die Foren wie ein roter Faden die Erkenntnis der Notwendigkeit, Zeit zu gewinnen, um sorgsam mit den Begriffen umzugehen und/oder sie besetzen zu können:

  • Die Situation prekärer Beschäftigung kann mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit durch Strategien der Sichtbarmachung verändert werden.
  • Hinsichtlich der an Modellen abgeleiteten "Qualität" müssen Beschäftigte und ihre Vertreter/innen Mitgestalter/innen ihrer Arbeitsbedingungen werden.
  • Voraussetzung für professionelle Handlungskompetenz ist eine Teilnehmer/innen-orientierung anstelle einer Kundenbeziehung sowie ausreichende Ressourcen/Strukturen.
  • Die Erwachsenenbildung kann sich der Ökonomisierung widersetzen, indem sie den ökonomischen Mechanismen und Werten pädagogische, ethische Werte gegenübergestellt.

Daraufhin konnte Professor Dieter Nittel (Goethe-Universität Frankfurt) mit seinem Vortrag "Professionalitätsentwicklung als Element der (kollektiven) Professionalisierung!" einen weiteren Impuls in der Professionalisierungsdebatte setzen: Die Erwachsenenbildung in Gänze solle sich mit den Grenzen ihrer eigenen Professionalisierung beschäftigen. Tatsächlich lassen sich nur geringe Fortschritte in der kollektiven Professionalisierung der Erwachsenenbildung feststellen, wie man es angesichts der Stillstände beispielsweise in der Verrechtlichung, Verberuflichung oder der Institutionalisierung erkennt. Das lebenslange Lernen hingegen bildet die hier sinnstiftende Institution, die wir arbeitsteilig hinsichtlich der verschiedenen Berufskulturen betrachten sollten. Wenn Bildung auf den Lebensverlauf eines Menschen verteilt wird, dann hat die Erwachsenenbildung eine zentrale Bedeutung. Hier stehen aber noch Strategien der Sichtbarmachung aus: Gelingt es, die einfache gesellschaftliche Frage, warum wir die Erwachsenenbildung benötigen, zu beantworten, dann lässt sich von hier aus die Professionalisierung vorantreiben.

Nun geht es darum, die Heterogenität der Aspekte in der Professionalisierungsdiskussion so zu bündeln, dass daraus ein klarer Entwicklungsauftrag entsteht (Klingovsky). In Auswertung der Inhalte der Weiterbildungsakademie lassen sich so Eckpunkte eines gemeinsamen Berufsverständnisses mit einem pädagogischen Kern entwickeln.

In der abschließenden Podiumsdiskussion, dem politischen Höhepunkt der Herbstakademie - stellten Uwe Schummer (CDU) und Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD) zunächst Erreichtes dar - allgemeinverbindlicher Mindestlohn, Bildungsprämie, Meister-BAföG -, während Dr. Rosemarie Hein (Die Linke) die insgesamt ungeregelte Lage der Weiterbildung und das Festhalten am Kooperationsverbot kritisierte. Angesichts der für den Bildungsbereich enttäuschenden Koalitionsvereinbarung forderten die Gewerkschaftsvertreter Elke Hannack (DGB-Bundesvorstand) und Ansgar Klinger eine Aktivierung des Bündnisses für Aus- und Weiterbildung (auch durch den Einsatz einer Enquetekommission), eine neue Vergabepolitik und die Beendigung prekärer Beschäftigung durch eine deutlich verbesserte Finanzierung - auch durch die Länder.

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