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"Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!"

Die Diskussion um die Ausgestaltung des Bund-Länder-Pakts für verlässliche Karrierewege in der Wissenschaft geht weiter. Im April hatten Union und SPD ein solches Programm unter dem Stichwort „Personaloffensive“ angekündigt und dafür einen Zeitraum von zehn Jahren und eine Fördersumme von einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt.

03.09.2015

Eine Staatssekretärs-Arbeitsgruppe von Bund und Ländern soll ein Konzept für das Programm ausarbeiten und der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) vorlegen. 2013 hatte die GEW die Debatte mit ihrem Köpenicker Appell angestoßen: ein „Förderprogramm für verlässliche Karrierewege von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern“, das Anreize für die nachhaltige Schaffung von Tenure-Track-Modellen schafft, war eine von drei Forderungen der GEW an die neue Bundesregierung.

Nun hat sich der Uni-Verbund German U15, dem nach eigenen Angaben 15 „forschungsstarke Universitäten mit über 490.000 Studierenden, mit breitem Fächerspektrum und starker Medizin, mit Profil als Forschungsuniversität und internationaler Ausstrahlung“ angehören, zu Wort gemeldet. In einem Positionspapier „Impulse zur Personaloffensive“ begrüßt U15 die Pläne der Großen Koalition grundsätzlich. Die 15 Universitäten bekennen sich zu ihrer Verantwortung für eine „zielführende Personalentwicklung“ und machen sich für „ein angemessenes Verhältnis zwischen Anstellungsdauer und Qualifikationsziel“ stark. Für Daueraufgaben in Forschung und Lehre müsse es ausreichend Dauerstellen „jenseits der Professur“ geben. Viele Impulse der GEW-Kampagne für den „Traumjob Wissenschaft“ scheinen also auch bei den U15 angekommen zu sein.

Auf der anderen Seite betont der Uni-Verbund, dass das Wissenschaftssystem „Offenheit und Risikobereitschaft“ verlange. „Universitäten bieten keine hundertprozentige Daseinsfürsorge, sondern faire Chancen für die am besten Qualifizierten“, heißt es weiter im Positionspapier. Außerdem seien Unis „dezentral und teilautonom“ organisiert, also ohnehin schwer zu steuern. Die Bund-Länder-Personaloffensive sei insofern zwar eine gute Idee, solle aber, bitteschön, allenfalls „einen Rahmen geben“, der aber die Entwicklung der autonomen Universitäten nicht „stimuliert“ und „überreguliert“.

Mit anderen Worten: An zusätzlichen Milliarden möchten auch die U15 gerne teilhaben, aber bitte keine verbindlichen Verpflichtungen für berechenbare Karrierewege und nachhaltige Personalstrukturen eingehen. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass – diese Haltung werden hoffentlich auch Bund und Länder durchschauen. Mit einem neuen Bund-Länder-Pakt, der Mitnahmeeffekte erzeugt und nach wenigen Jahren wie ein Strohfeuer erlischt, lassen sich keine Reformen in Gang setzen. Wir brauchen vielmehr ein Programm, das reformbereiten Hochschulen Anreize für eine nachhaltige Personalpolitik gibt.

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