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#GEWTAG21„Was wollen Sie überhaupt in der Schule?“

Mit der Umbenennung des „Bundesausschuss der Studentinnen und Studenten“ (BASS) und der Verleihung der Hans-Böckler-Medaille an die frühere Berliner GEW-Vorsitzende Lore Kujawa wurde am Donnerstag der 29. Gewerkschaftstag der GEW fortgesetzt.

10.06.2021 - Jürgen Amendt, Redakteur der „Erziehung und Wissenschaft“

Mit großer Mehrheit votierten die Delegierten am Donnerstagmorgen für die Umbenennung des „Bundesausschuss der Studentinnen und Studenten“ (BASS) in „Bundesausschuss GEW Studierende“ (BAGS).

Zuvor wurde Lore Kujawa die Hans-Böckler-Medaille, die höchste Auszeichnung, die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zu vergeben hat, verliehen. Die 90-jährige Berlinerin war 1974 die erste weibliche Vorsitzende der GEW Berlin und damit die erste Frau an der Spitze eines GEW-Landesverbandes sowie eines DGB-Bezirks. „Lore Kujawa war ihrer Zeit immer voraus und ist bis heute ein Vorbild für viele Generationen von Pädagoginnen und Pädagogen“, erklärte der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann in seiner Laudatio.

„Ich konnte aber nicht gegen meine Überzeugung unterrichten.“ (Lore Kujawa)

Kujawa musste zu Beginn hohe Hürden überwinden. „Die Herren, die zu Beginn meines pädagogischen Wirkens das Sagen hatten, waren noch von der Kaiserzeit geprägt“, berichtete die 90-Jährige rückblickend. „Ich konnte aber nicht gegen meine Überzeugung unterrichten.“ Einmal habe sie ein Vorgesetzter gefragt: „Was wollen Sie überhaupt in der Schule? Sie haben doch einen Mann und einen Haushalt.“ Man ließ sie deshalb 1957 bei der Zweiten Staatsprüfung durchfallen, erst beim zweiten Versuch zwei Jahre später bestand sie und konnte in den Schuldienst eintreten. Mit 39 Jahren wurde Lore Kujawa Schulleiterin an einer Schule in Berlin-Wedding – und damit die jüngste weibliche Schulleiterin Berlins; 1972 wurde sie zur Vorsitzenden der Fachgruppe Grundschulen in der GEW Berlin gewählt. Noch heute ist Lore Kujawa als Mitglied der Senior*innen der GEW gesellschaftlich und gewerkschaftlich aktiv.