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Warum Menschen fliehen

20.06.2016

Die Zahl der Flüchtlinge hat weltweit zugenommen. Aber warum fliehen die Menschen? Und welche Rolle spielt die Ungleichheit zwischen reichem Norden und verarmtem Süden? Es gibt viele Ursachen, aber nur einen Hauptgrund.

Nie zuvor waren so viele Menschen gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen. Wie viele es genau sind, kann niemand sagen. Laut Angaben des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen (UNHCR) sind knapp 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Dies ist die höchste Zahl, die jemals vom UNHCR verzeichnet wurde, und sie wächst rasant.

Obwohl die Zahl der hier Ankommenden im Jahr 2015 stark gestiegen ist, stellen sie nach wie vor nur einen kleinen Teil der weltweit flüchtenden und migrierenden Menschen dar. Die meisten finden Zuflucht in den Ländern des Südens. Allein der Libanon hat zwischen eine und zwei Millionen Syrerinnen und Syrer aufgenommen. Mindestens ein Fünftel der Bevölkerung sind jetzt Flüchtlinge. Zum Vergleich: Deutschland müsste mehr als 20 Millionen Menschen aufnehmen, um auf ein solches Verhältnis zu kommen. Auch die meisten der Armuts- und Klimaflüchtlinge suchen meist nicht weit entfernt von ihren Herkunftsorten nach angemessenen Lebensumständen. Sie wandern ab in die Slums der größeren Städte oder bleiben in der Region. Allein in Südafrika sollen sich sieben Millionen Migrantinnen und Migranten ohne Papiere aufhalten – das sind mehr als in ganz Europa, wo zehnmal so viele Menschen leben. Flucht, Vertreibung und Migration sind weltweite Phänomene, die vielfältige Ursachen haben. Die neue Broschüre „Warum Menschen fliehen. Ursachen von Flucht und Migration – Ein Thema für Bildung und Gesellschaft“ klärt über die Beweggründe für die Flucht auf. Der Krieg, der Familien in die Flucht treibt, kann bereits Ergebnis zerfallender Staatsstrukturen, eines Kampfes um knappe Ressourcen oder den Zugang zu profitablen Rohstoffen sein. Fliehen Menschen vor einer Dürre, kann dies Folge des Klimawandels sein und nur deshalb so dramatische Auswirkungen haben, weil die Ernährung aufgrund von Armut schon vorher kaum gesichert war. Ob Krieg und Gewalt, Verfolgung und Diskriminierung, Armut und Perspektivlosigkeit, Umweltzerstörung und Klimawandel oder Rohstoffhandel und Landraub – meist sind diese Fluchtursachen eng miteinander verwoben. Und fast immer hängen sie mit der zunehmenden globalen Ungleichheit zwischen reich und arm zusammen.

Mit Grafiken und Bildern sowie Zahlen und Fakten erklären die Autorinnen und Autoren Zusammenhänge zwischen der ungleichen Verteilung von Reichtum und Fluchtbewegungen auf der ganzen Welt. Dabei eignet sich die Broschüre sowohl zur eigenen Information als auch als Basis für den Schulunterricht. Das Werk ist in Kooperation von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international entstanden. Medico International leistet seit fast fünfzig Jahren gemeinsam mit Partnerorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika Hilfe für Menschen in Not. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft setzt sich – in Deutschland und weltweit – für das Menschenrecht auf Bildung ein sowie für ein inklusives Bildungswesen, das alle willkommen heißt. Dazu gehört für die GEW auch, dass Kinder und Jugendliche – aber auch Lehrende und Erziehende – in Deutschland verstehen, aus welchen Gründen Menschen zu uns fliehen und welche Erfahrungen sie mitbringen.

Quelle: "Warum Menschen fliehen. Ursachen von Flucht und Migration – Ein Thema für Bildung und Gesellschaft"

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