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Wann kommt die „digitale Revolution?“

27.11.2017 - Matthias Holland-Letz

„Die digitale R*Evolution – Herausforderungen für Berufliche Bildung und Weiterbildung“. Unter dieser Überschrift lud die GEW zur Bundestagung nach Hamburg. Klar ist: Die Bildung muss sich auf die Digitalisierung vorbereiten. Unklar ist: Wie.

„Ein kleiner Chip, in die Hand implantiert, mit Verbindung zum Internet.“ Der sei in Skandinavien bereits üblich, erklärte Professorin Kerstin Jürgens. „Ich öffne damit Türen und bezahle mein Bahnticket“, so die Soziologin von der Universität Kassel. Der Chip ermögliche allerdings auch das „Tracking“, das Beobachten des Einzelnen, etwa für die Marktforschung. Damit lasse sich feststellen, „wie lange stehen Sie vor einem Schaufenster, wie lange vor einem Regal?“ Digitale Technik zum „Tracking“ halte auch in der Arbeitswelt Einzug, unterstrich Kerstin Jürgens. So überwache der US-Konzern Amazon, „wie lange die Toilettenpause der Mitarbeiter dauert“. Ziel sei, „die Beschäftigten umfassend zu kontrollieren“.

„Wie schaffen wir es, dass die Auszubildenden zu kritischen Menschen werden, gerade in den neuen Berufen?“ (Amrey Depenau)

Wer hat Zugriff auf die Daten? Wo droht Rationalisierung? Wo sind Arbeitnehmerrechte in Gefahr? Und welche Herausforderungen ergeben sich durch „Arbeit 4.0“ für Berufliche Bildung und Weiterbildung? Darum drehte sich die GEW-Bundestagung, die am 24. November in Hamburg stattfand. Rund 180 Frauen und Männer, vor allem Lehrkräfte aus Beruflichen Schulen und Volkshochschulen, informierten sich. „Wie schaffen wir es, dass die Auszubildenden zu kritischen Menschen werden, gerade in den neuen Berufen?“, fragte Amrey Depenau von der GEW Hamburg. Es gelte, Kritikfähigkeit und Sozialkompetenz auch im Fachunterricht zu vermitteln, forderte eine Teilnehmerin.

„Wir brauchen ein Bundesgesetz für Weiterbildung“ (Ansgar Klinger)

Weitere Vorschläge mit Blick auf die Beschäftigten: Bildungsberatung ausbauen, Bildungsurlaub stärken, für Geringqualifizierte ein „Bafög für eine spätere Chance“ einführen. Oliver Suchy vom DGB-Bundesvorstand verwies auf eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom. Der zufolge erklärten 59 Prozent der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: „Weiterbildungen zu Digitalthemen werden von meinem Arbeitgeber nicht angeboten.“ „Wir brauchen ein Bundesgesetz für Weiterbildung“, forderte Ansgar Klinger vom GEW-Hauptvorstand. Dieses Gesetz solle „den Zugang, die Teilnahme und die Finanzierung auf hohem Niveau sicherstellen“.

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