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Viele Tausend Erzieherinnen im Warnstreik

Wenige Tage vor Beginn der zweiten Runde der Verhandlungen über einen Eingruppierungstarifvertrag im Sozial- und Erziehungsdienst (SuE) der Kommunen haben Tausende Erzieherinnen und Erzieher in mehreren Bundesländern die Arbeit niedergelegt.

20.03.2015

Fotos: Karin Just, Eddi Taubert, Björn Köhler, Erwin Denzler, Susanne Hemmerling,GEW Bremerhaven

Während der ersten Verhandlungsrunde Ende Februar hatte die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) die Forderungen der Gewerkschaften entgegengenommen, selbst aber kein Angebot vorgelegt.

Am kommenden Montag startet in Münster die zweite Verhandlungsrunde. Erzieherinnen und Erzieher haben in den vergangenen Tagen durch ihre Warnstreiks in mehreren Bundesländern deutlich gemacht, dass sie um eine angemessene Anerkennung ihrer Arbeit kämpfen werden: Die stark gestiegenen Anforderungen an Qualifikation und Tätigkeit der Beschäftigten in den Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen müssen sich endlich in einer deutlich besseren Bezahlung widerspiegeln.

Bayern

In Bayern beteiligten sich am Freitag mehr als 3.000 Pädagoginnen und Pädagogen an den Warnstreiks, zu denen GEW und ver.di aufgerufen hatten.

In München machten rund 2.400 Streikende ihrem Unmut über ihre schlechte Bezahlung Luft. Was es heißt, in der teuersten Stadt Deutschlands zu leben, horrende Mieten zahlen zu müssen und gleichzeitig für die eigene verantwortungsvolle Arbeit so wenig Gehalt zu bekommen, dass es kaum zum Leben reicht, das erfahren Erzieherinnen und Erzieher in der bayerischen Landeshauptstadt jeden Tag. Kein Wunder also, dass der Zug der Streikenden wegen seiner Länge große Aufmerksamkeit in der Münchner Innenstadt erfuhr und die Forderungen auf viel Zustimmung bei den Passanten stießen.

In Nürnberg setzten bei schönstem Sonnenschein Kolleginnen und Kollegen aus rund 120 Nürnberger Kitas und vielen weiteren Einrichtungen aus der Umgebung ein deutliches Zeichen: Sie wollen die Aufwertung der sozialen Berufe und sind bereit, lange und ausdauernd für eine bessere Eingruppierung und angemessene Bezahlung zu kämpfen, wenn die Arbeitgeber weiter mauern sollten.

Auch in Fürth beteiligte sich eine Gruppe Kolleginnen und Kollegen an den Warnstreiks: Nach einem deftigen Streikfrühstück gab es eine kleine, aber dafür umso lautere Demo zum Rathaus, wo die Streikenden ihre Forderungen an die zuständige Personalreferentin überreichten.

In Erlangen wünschten Kolleginnen und Kollegen der Lebenshilfe den Streikenden im Rahmen einer spontanen Solidaritätsaktion viel Erfolg.    

Niedersachsen

In Niedersachsen schlossen sich knapp 3.000 und in Bremen mit Bremerhaven weitere rund 1.000 Erzieherinnen, Schulsozialarbeiter und andere Pädagoginnen und Pädagogen den Warnstreiks an. "Dies ist der Auftakt langer Tarifauseinandersetzungen", erklärte Christian Gloede, Landesvorstandssprecher der GEW Bremen. Bei den Beschäftigten habe sich Wut über die in Beton gegossene Haltung der VKA breitgemacht, ergänzte Peer Jaschinski von der Landesarbeitskampfleitung der GEW Bremen. Es herrsche enorme Kampfbereitschaft.

Hessen

In Hessen haben GEW und ver.di zu regionalen Warnstreiks aufgerufen, die zwischen dem 18. und 23. März stattfinden. So gab es am Donnerstag unter anderem in Frankfurt, Kassel und Wiesbaden Demonstrationen und Kundgebungen mit insgesamt mehreren Tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Schleswig-Holstein

Ebenfalls am Donnerstag hatten in Schleswig-Holstein mehrere hundert Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst die Arbeit niedergelegt. In Kiel und Neumünster blieben wegen des Warnstreiks fast alle Kindertagesstätten geschlossen. Auch in Lübeck, Bad Segeberg, Rellingen, Itzehoe und weiteren Orten waren viele Beschäftigte den Streikaufrufen der Gewerkschaften gefolgt.

Der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn sagte auf einer Streikversammlung im Kieler Gewerkschaftshaus: "Große Kompetenz und große Verantwortung für unsere Kinder - aber kleines Gehalt. Das darf so nicht weitergehen. Wir fordern daher eine deutliche Aufwertung der sozialpädagogischen Berufe durch eine bessere Eingruppierung."

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