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Verbraucherzentrale: "Unterrichtsmaterialien unter der Lupe - Wie weit geht der Lobbyismus in Schulen?"

Kostenlose Lehrmaterialien gibt es viele. Doch leider sind sie nicht immer frei von Werbung. Das belegt eine aktuelle Analyse der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Sie ließ in einem dreijährigen Forschungsprojekt Lehrmaterialien verschiedener Anbieter und Interessensvertreter untersuchen. Dabei zeigt sich erneut, dass wirtschaftsnahe Publikationen bei der Qualität signifikant schlechter abschneiden als Materialien, die aus öffentlicher Hand oder von nicht kommerziellen Interessensverbänden stammen.

03.02.2014

Das dreijährige Forschungsprojekt „Bildungsmedien online“ der Universität Augsburg hat allein im Jahr 2012 über 880.000 Unterrichtsmaterialien von 482 Anbietern im Internet gefunden, die ihre Materialien kostenlos und außerhalb des geprüften Schulbuchsortiments auf den Markt bringen. Interessant ist, dass von den 20 größten deutschen Unternehmen drei Viertel eigene Unterrichtsmaterialien anbieten. Aber die Analyse macht auch deutlich, dass es gerade bei diesen Herausgebern große Defizite in der Qualität der Materialien gibt.

Lehrkräfte beurteilen diesen Trend mit gemischten Gefühlen, wie eine Fokusgruppenbefragung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) 2012 ergab. Materialien, die ihnen die Arbeit mit Themen wie Handyverträgen, Produktionswegen, Lebensmittelherstellung, Cyber-Mobbing, Finanzprodukten, Energieverbrauch oder Datenschutz erleichtern, sind zwar gerne gesehen. Ein Großteil der Befragten gibt jedoch an, dass sie Materialien skeptisch gegenüber stehen, die von Unternehmen oder Interessensvertretungen herausgegeben werden. Ihnen ist eine ausgewogene Darstellung der Sachinhalte wichtig sowie mehr Transparenz in Bezug auf die Interessen der Herausgeber: „Die Materialien müssen das behandelte Thema problemorientiert und ohne Schwarz- Weiß-Malerei‘ beleuchten. Alle Aspekte müssen angesprochen werden.“

Eine Analyse von insgesamt 453 Materialien verschiedener Anbieter und Herausgeber zeigt, dass es zwar viele gute und brauchbare Materialien gäbt, ein kritischer Blick aber notwendig sei. Drei Viertel aller Materialien, die von der öffentlichen Hand finanziert werden, erfüllten die Anforderungen an ein gutes Unterrichtsmaterial – Materialien aus der Wirtschaft hingegen nur zu einem Drittel.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ist die Dachorganisation von 41 Verbraucherverbänden und engagiert sich seit Jahren für die Verbraucherbildung.

Um Lehrerinnen und Lehrern den Zugang zu qualifizierten Hintergrundinformationen und interessanten Unterrichts­materialien online zu erleichtern, bietet der vzbv das Internetportal für Verbraucherbildung in der Schule an. Die Internetplattform ist eine zentrale Anlaufstelle für Verbraucherthemen in der Schule. Hier sind Informationen, Unterrichtsmaterialien und Projekte gebündelt.

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