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USA: Hunderttausende gegen Waffen beim "Marsch für unser Leben"

Gut einen Monat nach dem Schulmassaker von Parkland mit 17 Toten waren hunderttausende Menschen in den USA am 24. März dem Aufruf überlebender Schülerinnen und Schüler gefolgt und haben für schärfere Waffengesetze demonstriert.

27.03.2018 - Manfred Brinkmann

US-Lehrergewerkschaften sind solidarisch
Vor allem junge Menschen sind am 24. März in rund 800 US-Städten auf die Straße gegangen, um sich für striktere Waffengesetze einzusetzen. Aufgerufen zu den landesweiten Protesten hatten überlebende Schülerinnen und Schüler der Marjory Stoneman Douglas High School in Florida, wo am 14. Februar ein 19-Jähriger drei Erwachsene und 14 Jugendliche erschossen hatte. Auch viele Eltern und Lehrkräfte beteiligten sich an den Demonstrationen und Kundgebungen. Unterstützung erhielten sie von den US-Lehrergewerkschaften NEA und AFT. Randi Weingarten, Präsidentin der AFT, erklärte in einer Botschaft: „Unsere Mitglieder stehen solidarisch zu den Schülern. Wir sind beeindruckt von ihrem Mut, ihrem Einsatz, ihrem Willen, dem ‚Nichts wird sich ändern‘ nicht länger zuzuhören. Ich hoffe, sie sind erfolgreich, wo wir bisher erfolglos waren.“

„Genug ist genug“
Auch in Las Vegas waren rund 4.000 Schülerinnen und Schüler, Eltern und Unterstützer dem Aufruf zum ‚Marsch für unsere Leben gefolgt‘, darunter der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann und Pressesprecher Arne Schaller . „Genug ist genug“ und „Nie wieder! Nie wieder!“ war in Sprechchören zu hören. „Statt zu weinen, sprechen wir. Statt zu beten und zu gedenken, protestieren wir. Und statt zu warten, fordern wir jetzt Veränderung“, rief die Schülerin Stephanie Wellek den Teilnehmern der Kundgebung in Las Vegas zu. „Es ist sehr beeindruckend jetzt in den USA zu erleben, was momentan passiert, mit welchem Einsatz sich die jungen Menschen engagieren und damit Politik und Waffenlobby unter Druck setzen“, so Tom Erdmann. „Viele haben uns auf unsere GEW-Fahne angesprochen und sich über die Solidarität aus Deutschland gefreut.“

„Was tun gegen Massaker? Zurückschießen!“
In mehreren Städten gab es auch Gegendemonstrationen von Waffenbefürwortern. In Salt Lake City trugen die Demonstranten Waffen und Schilder mit der Aufschrift: „Was tun gegen Massaker? Zurückschießen!“ Dennoch sind die Befürworter des uneingeschränkten Waffenverkaufs und Waffenbesitzes in der aktuellen Situation in der Defensive. Den Kindern und Jugendlichen ist es mit ihren Aktionen gelungen, Bewegung in die festgefahrene Diskussion über Schusswaffen zu bringen. In Reaktion auf die Proteste ließ die US-Regierung in einer Erklärung veröffentlichen: „Wir beklatschen die vielen mutigen jungen Amerikaner, die heute ihr Verfassungsrecht nach Artikel 1 (freie Meinungsäußerung) ausüben. Unsere Kinder zu beschützen ist eines der wichtigsten Anliegen des Präsidenten …“. Am Freitag kam aus dem US-Justizministerium ein erster Vorschlag, halbautomatische Gewehre, sogenannte ‘pump stocks’ zu verbieten. Ein erster Erfolg, der Mut macht. Dennoch: Die jungen Menschen, die jetzt betroffen sind und aufbegehren, die ihre Bürgerrechte wahrnehmen und damit auch die Demokratie in den USA lebendig halten , werden einen langen Atem benötigen, um gegen die mächtige US-Waffenlobby am Ende erfolgreich zu sein.

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