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US-Konzerne an deutschen Schulen: Ministerien reagieren mit "Schulterzucken"

22.02.2016

GEW-Schulexpertin Martina Schmerr kritisiert mit Blick auf das Engagament von US-Technologiekonzernen an Schulen ein mangelndes Eingreifen der Politik. Die Kultusministerien "fühlen sich nicht mehr verantwortlich", sagte sie dem Magazin "merz".

Die zuständigen Ministerien hätten in den vergangenen Jahren "in großer Zahl die Sponsoring-Bedingungen für Schulen gelockert und die Selbstständigkeit von Schulen sehr stark erhöht – heute mündet das in einer organisierten Verantwortungslosigkeit", betonte Schmerr im Interview mit der Zeitschrift "medien + erziehung" weiter. Die GEW und der DGB hätten die Kultusministerien bereits darauf hingewiesen, wie stark die private Einflussnahme von Firmen geworden sei. Die Antwort sei jedoch "Schulterzucken oder das optimistische Credo ‚Die Schulen, die machen das schon‘". Die Gewerkschaftsforderungen nach einer öffentlichen Prüfstelle seien abgelehnt worden.

Vor allem Microsoft und Apple konkurrierten um die Marktführung an Schulen, indem sie kostenfreie Hardware und Programme oder Fortbildungen für Lehrkräfte anböten. Diese fänden auch in "Nobelhotels fernab der deutschen Grenze statt", beispielsweise in Barcelona. "Das lenkt mittlerweile auch die kritischen Blicke von Fachleuten auf diese Programme, weil darin durchaus ein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot, gegen das Beamtenrecht oder die Anitkorruptionsrichtlinie gesehen werden kann", sagte Schmerr.

Auch Daten werden gesammelt

Zusammen mit der Bereitstellung von Technik werde teilweise auch versucht, Daten von SchülerInnenn und Lehrkräften zu sammeln, um diese als Kunden besser durchleuchten zu können. "Es gibt heutzutage keinen Überblick mehr darüber, auf was sich einzelne Schulen jeweils einlassen." Die Unabhängigkeit der Schulen sei in Gefahr, da diese sich mitunter über Jahre an einen bestimmen Anbieter binden würden und damit die Kaufentscheidungen von SchülerInnen beeinflussen könnten.

Die GEW-Schulexpertin schlägt vor, mit mehreren Anbietern zusammenzuarbeiten oder bei der Betriebssoftware über Open-Source-Programme wie Linux nachzudenken. Dies könnte auch "zum Unterrichtsthema werden, um Schüler an diese ökonomischen und kommerziellen Dimensionen heranzuführen".

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