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Unterschiedliche Kämpfe, gemeinsame Ziele

Am zweiten Tag der Weltfrauenkonferenz der Bildungsinternationale plädiert die Südafrikanerin Mary Metcalfe dafür, die Forderungen nach guter Bildung und Chancengleichheit mit dem Kampf für soziale Gerechtigkeit zu verbinden.

09.04.2014 - Frauke Gützkow

Fotos: Bildungsinternationale

„Gerechte Bildung für eine gleichberechtigte Welt“, für diese Übersetzung des Veranstaltungsmottos „Equitable Education for an Equitable World” habe ich mich entschieden, schließlich sind wir bei der Weltfrauenkonferenz der Bildungsinternationale. Bildung soll Teilhabe ermöglichen und Nachteile aufgrund des Geschlechts abbauen. Für die GEW als Bildungsgewerkschaft hat Bildung einen Gleichstellungsauftrag und soll einen Beitrag zur Gerechtigkeit leisten.

Über Generationen beachtliche Erfolge erzielt

Auch der zweite Tag der Weltfrauenkonferenz der Bildungsinternatioale beginnt mit Grußworten: Juçara Dutra Vieira, die Vizepräsidentin der Bildungsinternationale aus Südamerika, betont in ihrer Eröffnung, dass Herausforderungen in der Bildung kollektiv anzugehen sind und dass über Generationen beachtliche Erfolge erzielt wurden.

Martin Rømer spricht für das European Trade Union Committe for Education (ETUCE) und begrüßt die Konferenzteilnehmerinnen und –teilnehmer in einem Europa der Kontraste - ob in Bezug auf Bildungsbeteiligung, Organisationsgrad der Gewerkschaften, Ausdifferenzierung des Bildungssektors, Erfolge im Mainstreaming von Gender Equality, Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen der Gewerkschaften oder Auswirkungen der Finanzkrise.

Für die gastgebenden irischen Gewerkschaften spricht heute Mike Jennings, der Generalsekretär der Irish Federation of University Teachers (IFUT). Er betont, dass auch der Kampf um Gleichberechtigung nicht alleine geführt werden könne und dass Männer so lange nicht frei sein könnten, bis die Gleichberechtigung der Geschlechter nicht erreicht seien.

Den Kontext der Kämpfe verstehen

Für die Keynote wurde Mary Metcalfe gewonnen, die Vorsitzende des Open Society Foundation’s Education Advisory Boards aus Südafrika. Sie schildert zunächst ein Beispiel für Momente, die ihr Denken und Handeln geformt haben: Frauen würden häufig in die Situation gebracht, dass sie Energie dafür aufwenden müssen, sich den Raum, der ihnen zusteht, zu nehmen. Es wäre noch nicht selbstverständlich, dass ihre Beiträge gehört würden, dieser Status würde ihnen noch nicht zugeschrieben.

Sie entwickelte die Zusammenhänge von Gender - Status – Class – Race – Culture. Sie fragte, welche Kämpfe sich ähneln, welche Ausgrenzungsmechanismen es gäbe, welche Wegbereiter, welche Erfahrungen. Es wäre wichtig, den jeweiligen Kontext der Kämpfe zu verstehen, man müsse zuhören können. Sie beantwortete die Frage, ob Bildung ein Instrument für soziale Veränderungen sein könne, mit Ja.

Ungleichheit hinge mit der sozialen Herkunft, dem Elternhaus, der Nachbarschaft und den gleichaltrigen peer groups zusammen. Bildung und gute Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern würde einen Unterschied machen auf dem Weg zu einer „equitable world“/gleichberechtigten Welt. Von zunehmender Ungleichheit wären nicht nur Arme und Marginalisierte betroffen, sie untergrabe die Gesellschaft als Ganze. Damit leitete sie zu den Zielen der globalen Bildungskampagne über, der es um freien Zugang zu hochwertiger Bildung geht und darum, dass alle Kinder von der Elementarbildung bis zur Sekundarstufe Bildung durchlaufen.

Globale Bildungskampagne

Die „Global Campaign for Education (GCE)“ ist ein weltumspannenden Netzwerk von NGOs und Bildungsgewerkschaften und setzt sich dafür ein, dass jeder Mensch sein Recht auf eine gute Bildung wahrnehmen kann. Regierungen sollen weltweit ihre Versprechen einhalten, die sie im Jahr 2000 im Rahmen der Millenniumserklärung und auf dem Weltbildungsforum in Dakar gegeben haben.

Zentrale Forderungen sind dabei die kostenlose und gute Grundbildung für alle, die Priorisierung von Bildung durch die Regierungen armer Länder, die Erhöhung der Hilfen von Weltbank und reichen Ländern des Nordens, um nationale Bildungsprogramme in Entwicklungsländern zu unterstützen, die Schaffung guter Arbeitsbedingungen und angemessener Bezahlung von Lehrkräften.

In Dublin moderierte Monique Fouihoux, die Vorsitzende der globalen Bildungskampagne, eine Diskussion mit Gewerkschafterinnen zu den gleichstellungspolitischen Zielen der Kampagne. Ihre Gesprächspartnerinnen waren Loretta Johnson, Schatzmeisterin der American Federation of teachers (AFT), USA, Marina Melenkovic, Vorsitzende der Lehrer/innengewerkschaft in Serbien (TUS) und des Frauenkommittees und Eva-Lis Sirén, BI Vizepräsidentin und Vorsitzende von Lärarförbundet, Schweden.

Unterschiedliche Schwerpunkte

In dieser Diskussion über die Globale Bildungskampagne setzten die drei Repräsentantinnen aus unterschiedlichen Gewerkschaften und unterschiedlichen Regionen der Welt auch unterschiedliche Schwerpunkte. Loretta Johnson stellte den Zusammenhang zwischen Armut und Bildung her. Public education hat für sie einen hohen Stellenwert. Sie kritisierte, dass das öffentliche Bildungssystem in den USA systematisch ausgehöhlt wurde. Für sie sind sichere und starke Schulen wichtig.

Marina Melenkovic entwickelte das Handlungsspektrum von Gewerkschaften anhand der Herausforderungen, die Geschlechterstereotype mit sich bringen, die traditionellen Annahmen über das Benehmen von Frauen und Männern. Wenn Mädchen das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten fehle, dürften Lehrkräfte das nicht hinnehmen. Hier sei die Lehrer/innenbildung gefordert, Curricula und Unterrichtsmaterial müssten weiterentwickelt werden.

Eva-Lis Sirén stellte fest, dass die Schulleistungen von Jungen hinter denen der Mädchen zurück blieben. Das habe Auswirkung auf Familie, Schule, Gesellschaft. Dennoch sei der Arbeitsmarkt in Schweden nach wie vor segregiert, der Lehrer/innenberuf sei schlechter bezahlt als andere. Der Lehrberuf müsse aber für Frauen und Männer attraktiv sein.

 

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