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Ausbildungen unterschiedlich vergütetGEW unterstützt Forderung nach stärkerer Tarifbindung

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) weist darauf hin, dass es signifikante branchenabhängige Unterschiede bei den Ausbildungsvergütungen gibt. Die GEW fordert eine angemessene Bezahlung.

24.08.2021

Das WSI, das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung, berichtet vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres 2021 über große Unterschiede bei den vereinbarten Ausbildungsvergütungen in den Tarifverträgen. Sie sind je nach Branche und Region signifikant.

Spitzenreiter bei der Ausbildungsvergütung bleiben der öffentliche Dienst, die chemische Industrie, die Metall- und Elektroindustrie, das Versicherungsgewerbe, das Bankgewerbe sowie die Deutsche Bahn AG – hier können Azubis im ersten Jahr eine Ausbildungsvergütung von über 1000 Euro monatlich erwarten. Interessant ist: Viele Branchen wie die Pflegebranche im öffentlichen Dienst haben auf den Fachkräftemangel reagiert und ihre Ausbildungsvergütungen angepasst. Aber: Im Falle der Pflegebranche kann die Ausbildungsvergütung in privaten Pflegeeinrichtungen ohne Tarifvertrag auch deutlich geringer ausfallen.

Fachkräftemangel wird sich verschärfen

Die geringsten Ausbildungsvergütungen werden hingegen im Bäckerhandwerk, in der Floristik und im Friseurhandwerk gezahlt. Hier wird sich der Fachkräftemangel immer weiter verschärfen, so das WSI. Deshalb sei gerade in den klassischen Niedriglohnbereichen eine Stärkung der Tarifbindung und eine deutliche Aufwertung von Löhnen und Ausbildungsvergütungen nötig, so Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs.

„Die Arbeitgeber müssen ihrer Verantwortung nachkommen.“ (Ralf Becker)

„Eine angemessene Ausbildungsvergütung ist ein maßgeblicher Faktor bei der Berufswahl. Die von den Gewerkschaften erwirkte Mindestausbildungsvergütung hat zwar zu Verbesserungen geführt, dennoch ist eine stärkere Tarifbindung unbedingt erforderlich“, sagt Ralf Becker, GEW-Experte für berufliche Bildung und Weiterbildung. „Die Arbeitgeber müssen ihrer Verantwortung nachkommen“, so Becker. Tarifverträge sorgen für gute Arbeitsbedingungen und Sicherheit – und oftmals mehr Lohn. Im Osten, indem die Tarifbindung noch immer unter dem Niveau im Westen liegt, spiegelt sich dieser Zustand auch in den Löhnen und Ausbildungsvergütungen wider.

Ost-West Unterschiede noch immer signifikant

Nach wie vor gibt es enorme branchenabhängige Unterschiede im Niveau der Ausbildungsvergütungen zwischen den west- und den ostdeutschen Tarifgebieten, so das WSI. In der Mehrzahl der Fälle differieren die Ausbildungsvergütungen zwischen 50 und 100 Euro, im Friseurgewerbe oder der Floristik machen die Ost-West-Unterschiede aber mehr als 200 Euro pro Monat aus. Hier können Azubis im ersten Jahr nur zwischen 300 und 400 Euro monatlich erwarten.