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Hans TraxlerUnsterblich wie die Stones

Hans Traxler, Vertreter der Neuen Frankfurter Schule, ist 90 Jahre alt geworden. Unfassbar, eigentlich. So frisch, innovativ und klug kommen seine Karikaturen bis heute daher.

02.07.2019 - Ulf Rödde, Redaktionsleiter der „Erziehung und Wissenschaft“

Meine erste Begegnung mit Hans Traxler fand Mitte der 1980er-Jahre statt. Also, wirklich getroffen haben wir uns nicht. In der WG-Küche meiner Kommilitonin Frauke H. hing ein Plakat: „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche!“ Signatur: Hans Traxler. Der Name blieb in meinem Gedächtnis hängen. „Wissend“ lachten wir damals über die Karikatur, die wir witzig und weise fanden. Erst (viel) später wurde uns klar, dass wir damals die Elche waren – und heute oft deren Kritiker sind.

Als ich Jahre später zur GEW kam, traf ich Hans Traxler wieder. Also, erneut nicht ihn selbst, sondern seine Karikaturen, die er für die Bildungsgewerkschaft gezeichnet hat. Bis heute erfreut sich das Plakat „Unser Jüngster wird 50!“ in den Lehrerkollegien der Republik größter Beliebtheit. Unschlagbar auch seine Karikatur zur Inklusion, seinerzeit noch Integration genannt: An alle Tiere wird dieselbe Anforderung gestellt: Klettert diesen Baum hoch. Heterogen wie die Tiere aufgestellt sind – vom Affen bis zum Fisch – wird schnell klar, dass die Chancen, die Aufgabe zu bewältigen, doch recht ungleich verteilt sind. Irgendwie wie im richtigen Leben …

Aber dann sollte ich Hans Traxler doch noch treffen, persönlich diesmal, Anfang der 2000er-Jahre. Die Betriebsratswahlen mussten medial vorbereitet und die Beschäftigten ermuntert werden, wählen zu gehen. Eine Auftragsarbeit also. Meine Kollegin Veronika J. und ich hatten die ehrenvolle Aufgabe, Hans Traxler für etwas „Pfiffiges“, etwas aus dem „üblichen Rahmen Fallendes“ zu gewinnen. Raus aus der Tageshektik überlegten wir uns auf dem Weg, was wir Hans Traxler denn so als Idee mitgeben könnten. Aber so sehr viel mehr, als dass schon rüberkommen müsste, dass Betriebsräte eine „Schutzfunktion“ haben, fiel uns dann jedoch nicht ein.

Was mir sofort auffiel, als wir in Hans Traxlers Haus in Frankfurt am Main ankamen: die Ruhe, die er (und sein Heim) ausstrahlte(n). Und in aller Ruhe haben wir dann unser „Projekt“ vorgestellt, Hans Traxler entwickelte Gedanken und Ideen, wie dem Thema weg von den ausgetretenen Pfaden beizukommen sei, wir fanden alles prima. Herausgekommen ist die beste Plakatserie, die die GEW je zu einer Betriebsratswahl veröffentlicht hat. Bis heute hängen die vier Zeichnungen in einem der Sitzungsräume der Geschäftsstelle des Hauptvorstandes. Was mir sonst noch aus dem Gespräch haften geblieben ist? Hans Traxler wollte nicht (sic!), dass seine Arbeiten digitalisiert veröffentlicht werden.

Mit einem großen Augenzwinkern erklärte Hans Traxler jüngst in der ARD, dass er sich mittlerweile für „unsterblich“ halte, eine Eigenschaft, die ich bisher nur bei den Stones vermutet hatte – es soll ihm vergönnt sein, bei bester Gesundheit und Schaffenskraft. Sein Werk ist es schon längst.

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