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PolenUnbefristeter Lehrerstreik

Landesweit sind Lehrerinnen und Lehrer in Polen am 8. April in den Streik getreten, um ihrer Forderung nach besserer Bezahlung Nachdruck zu verleihen. Ihr Einstiegsgehalt liegt bei 600 € brutto.

09.04.2019 - Manfred Brinkmann

Polnische Lehrkräfte verdienen nur wenig mehr als den Mindestlohn

Nicht nur im europäischen Vergleich liegen die Lehrergehälter in Polen am unteren Ende der Einkommen, auch im eigenen Land gehören Lehrkräfte zu den am schlechtesten bezahlten Berufsgruppen. Das Einstiegsgehalt einer qualifizierten Lehrkraft mit Hochschulstudium und pädagogischer Ausbildung beträgt brutto 2.538 PLN ( ca. 600 €) und liegt damit nur wenig über dem gesetzlichen Mindestlohn von 2.250 PLN. Das Durchschnittseinkommen in Polen ist mit 4.521 PLN fast doppelt so hoch.

In ganz Polen wird gestreikt

Die Lehrergewerkschaften ZNP und FZZ fordern eine Gehaltserhöhung von 1.000 PLN und eine neue Gehaltsstruktur. Monatelang hatten sie mit der PiS-Regierung erfolglos darüber verhandelt. Nun ist ihre Geduld am Ende: „Wir wollen mit unserem Streik eine Angleichung der Lehrergehälter in Polen an den Durchschnittslohn der Beschäftigten erreichen“, begründet Sławomir Broniarz, Vorsitzender der größten polnischen Lehrergewerkschaft ZNP,  die Entscheidung zum Arbeitskampf. Überall in Polen fiel am ersten Streiktag der Unterricht aus. Allein in der Hauptstadt Warschau waren nach Angaben der Stadtverwaltung rund 8.000 der 10.000 Lehrerinnen und Lehrer dem Streikaufruf ihrer Gewerkschaften gefolgt.

GEW-Solidarität mit polnischen Lehrkräften

Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe, die gleichzeitig Vizepräsidentin der Bildungsinternationale für Europa ist,  hat in einem Schreiben an Sławomir Broniarz ihre Solidarität bekundet: „In vielen Ländern sehen wir eine ständig wachsende Arbeitsbelastung der Lehrkräfte, während gleichzeitig die Gehälter sich von denen vergleichbarer akademischer Berufe immer weiter entfernen. Das Gehalt spiegelt den Wert eines Berufs in der Gesellschaft wider. Die Gehälter der Lehrerinnen und Lehrer in Polen zeigen aber, dass ihr Ansehen gering ist und der Beruf für junge Menschen unattraktiv. Eure Regierung sollte der Bildung und der Attraktivität des Lehrberufs durch erhebliche öffentliche Investitionen Priorität einräumen. Wir unterstützen euren Kampf, weil es ein gemeinsamer Kampf in ganz Europa ist und wünschen euch viel Erfolg für eure Forderungen.“

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