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Trümmerfrauen oder neue Frauengeneration?

Alles nur Klischees? Oder ist was dran am neuen Politikstil von Frauen in politischen Führungsämtern? Drei Thesen der Frankfurter Journalistin und Politikwissenschaftlerin Dorothee Beck.

01.05.2013

1: Trümmerfrauen: „Frauen werden nur etwas, wenn Not am Mann ist“
„Trümmerfrauen“ werden in der medialen Präsentation von der Politik gern die Frauen genannt, die erst dann ein politisches Spitzenamt erlangen, nachdem männliche Politiker gescheitert oder wegen eines Skandals in Misskredit geraten sind. In der Tat kommen Politikerinnen auf diesem Weg zur Macht. Allerdings ignoriert der Begriff „Trümmerfrau“ die Kompetenz, Leistung und Glaubwürdigkeit dieser Frauen. Sie müssen ja erst zur Führungsreserve vorgedrungen sein, bevor sie von einem Skandal profitieren können. Was diese Politikerinnen auszeichnet, ist die Fähigkeit, ein Machtvakuum zu erkennen und für die eigene Karriere zu nutzen.

2: Neuer Politikstil der Frauen: „Unaufgeregt, kompetent, glaubwürdig“
Den „neuen“ Ministerpräsidentinnen Hannelore Kraft (NRW, SPD), Annegret Kramp-Karrenbauer (Saarland, CDU) und Malu Dreyer (Rheinland-Pfalz, SPD) wird in den Medien ein „neuer Politikstil“ nachgesagt und sie werden in Stellung gegen die „Trümmerfrauen“ gebracht. Ihr Stil sei „unaufgeregt“, da er auf mediale Selbstinszenierung verzichte. Er zeichne sich durch Kompetenz, Glaubwürdigkeit, Dialogbereitschaft, Kompromissfähigkeit und zielsichere Vernetzung sowie Karriereplanung im Hintergrund aus. In der Tat scheint die Zeit der selbstverliebten „Alpha-Männchen“ vom Schlage eines Gerhard Schröder oder Roland Koch vorerst vorbei zu sein. Kompetenz und Glaubwürdigkeit sind jedoch keine neuen, sondern zentrale Eigenschaften von PolitikerInnen, die eine Wahl gewinnen wollen. Gerade die so genannten Trümmerfrauen zeichnen sich im Gegensatz zu den skandalgeschüttelten Polit-Machos durch Glaubwürdigkeit und Kompetenz aus. Die kommunikativen Fähigkeiten sind wiederum ein Klassiker unter den Klischees weiblicher Führungskompetenz. Ob die heutigen Politikerinnen dialogorientierter und kompromissfähiger agieren als die Generationen vor ihnen, lässt sich nicht sagen. Klar ist, dass es dieser Fähigkeiten bedarf, um eine große Koalition oder eine Minderheitsregierung zum Erfolg zu führen. Und „durch Zufall“, ohne zielsicher geplante Karriere, gelangte bisher noch kaum eine Frau nach ganz oben.

3: Die Ausnahme: „Erfolg von Politikerinnen muss besonders begründet werden“
Nach wie vor bedarf es einer besonderen Begründung, wenn eine Frau ein Spitzenamt erringt. Früher war es die Trümmerfrau, heute ist es eben der angeblich neue Politikstil. Nach wie vor reicht es nicht aus, dass Politikerinnen durchsetzungsfähig, politisch versiert, fachlich kompetent oder taktisch klug sind. Es ist wie im „wirklichen Leben“. Die gleiche Qualifikation reicht nicht, Frauen müssen immer ein bisschen besser sein.

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