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SuE-Streiks: "Die richtige Antwort"

Zum Auftakt der unbefristeten Streiks im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst (SuE) haben heute 20.000 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Für GEW-Vorstandsmitglied Norbert Hocke ist dies „die richtige Antwort auf die Verweigerungshaltung der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände".

08.05.2015 - Jens Kastner, Alexander Pistorius, Bernd Schauer, GEW

Video: GEW Hessen

"Die Arbeitgeber haben fünf Verhandlungsrunden lang blockiert und kein Angebot vorgelegt", so Hocke, der im GEW-Vorstand für Jugendhilfe und Sozialarbeit verantwortlich ist, während der Streikkundgebung in Dresden. Er appellierte an die Arbeitgeber, endlich ein Angebot für die bundesweit rund 240.000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter in kommunalen Einrichtungen vorzulegen. Die gesellschaftlichen Erwartungen an das gesamte SuE-Berufsfeld seien in den vergangenen Jahren enorm gewachsen und damit auch die Anforderungen an Qualifikation und Arbeit der Beschäftigten. Dies müsse sich endlich in einer deutlich besseren Bezahlung der Kolleginnen und Kollegen widerspiegeln.

Die Streikschwerpunkte am heutigen Freitag lagen in Baden-Württemberg, Hamburg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.

Durch die zum Teil flächendeckenden Arbeitsniederlegungen - in Dresden beispielsweise wurden 144 von 168 Einrichtungen bestreikt bzw. waren komplett geschlossen - machten die Streikenden deutlich, dass die Arbeit, die sie Tag für Tag leisten, für die Gesellschaft im Allgemeinen und Hunderttausende Eltern im Speziellen unverzichtbar ist.

In der kommenden Woche werden die Streiks auf die anderen Bundesländer ausgeweitet.

Baden-Württemberg 

In Baden-Württemberg blieben am ersten Tag der unbefristeten Streiks rund 300 Kitas geschlossen. GEW-Mitglieder legten in Stuttgart, Freiburg, Mannheim, Karlsruhe, Heilbronn und vielen weiteren Orten die Arbeit nieder und beteiligten sich an Protestaktionen. In Nürtingen etwa nahmen rund 1.200 Kolleginnen und Kollegen an einer Kundgebung in der Innenstadt teil.

"Gute Bildung gibt es nur gegen gute Bezahlung. Wer wie die Erzieherinnen und Erzieher und die übrigen Beschäftigen im Sozial- und Erziehungsdienst qualitativ gute Arbeit leistet, muss dafür auch gut bezahlt werden. Weil die kommunalen Arbeitgeber das aber bisher nicht tun wollen, müssen die Beschäftigten dafür streiken", sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz.

In der nächsten Woche werden die Streiks in Baden-Württemberg fortgesetzt.

Hamburg    

In Hamburg haben sich mit rund 3.000 Teilnehmenden über 50 Prozent der in der Hansestadt betroffenen Kolleginnen und Kollegen an den Streiks beteiligt. Die Auftaktkundgebung fand vor dem Sitz der "elbkinder"-Kitas statt. Eine der Hauptverkehrsstraßen Hamburgs wurde durch den anschließenden Demonstrationszug in Richtung Innenstadt eine Stunde lang blockiert. Im Sternschanzenpark-Café klang der Streik schließlich aus.

Wetter gut, Stimmung kämpferisch - so könnte es tagelang weitergehen, war die einhellige Meinung unter den Streikenden.

Hessen

Streikauftakt in Hessen im DGB-Haus Frankfurt: Gesprächsrunde mit Mike Josef (SPD) und Janine Wissler (DIE LINKE), und eine viele kluge Kolleginnen und Kollegen aus der sozialen Arbeit, die die richtigen Worte zur überfälligen Aufwertung parat haben.

Saarland

Im Saarland haben am Freitag über 700 Angestellte im Sozial- und Erziehungsdienst in ca. 60 Einrichtungen landesweit gestreikt. Die GEW war mit drei Streiklokalen in Saarbrücken, Völklingen und Neunkirchen präsent.

Sachsen

In Sachsen beteiligten sich zum Auftakt der unbefristeten Streiks rund 2.000 im Sozial- und Erziehungsdienst Beschäftigte. Schwerpunkte waren Dresden, Leipzig, Chemnitz und Freital. Zur Kundgebung in Sicht- und Hörweite des Rathauses in Dresden kamen am Freitag rund 1.100 Streikwillige. In der sächsischen Landeshauptstadt war deutlich zu spüren, dass die Streikbereitschaft eher zu- als abnimmt: Von 168 kommunalen Kindertageseinrichtungen wurden 144 bestreikt bzw. waren ganz geschlossen.

In Chemnitz kamen am Karl-Marx-Monument rund 600 Kita-Beschäftigte zusammen, um gegen die Blockadehaltung der Arbeitgeber zu protestieren und ihre Forderungen nach einer besseren Bezahlung deutlich zu machen.

Sachsen-Anhalt

Zum Auftakt der Erzwingungsstreiks im Sozial- und Erziehungsdienst waren heute die Beschäftigten aller kommunalen Einrichtungen in Halle/Saale aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Im GEW-Streiklokal versammelten sich insgesamt 100 Kolleginnen und Kollegen aus diesem Bereich. Dabei war deutlich zu spüren, dass der Frust über die Blockadehaltung der kommunalen Arbeitgeber tief sitzt. "Die Anforderungen an das Berufsbild steigen seit Jahren immer weiter, das sollte inzwischen auch bei den Arbeitgebern angekommen sein", sagte eine junge Erzieherin.

An diesem besonderen Datum - auf den Tag genau 70 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus - stelle sich auch heute die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen, ergänzte Alexander Pistorius von der GEW Sachsen-Anhalt: "Neiddebatten darüber, ob die Arbeit eines KFZ-Schlossers oder eines Erziehers mehr Wert ist, gehören sicher nicht dazu. Jede kompetente und engagiert ausgeführte Arbeitsleistung verdient eine faire und auskömmliche Bezahlung." Eine verbesserte Eingruppierung wäre hier ein wichtiges Signal der Anerkennung.

Nächste Woche werden die Streiks auf die Städte Dessau und Köthen ausgeweitet. Die Beschäftigten des Sozial- und Erziehungsdienstes in Halle sind in jedem Falle bereit, auch weiterhin den kommunalen Arbeitgebern die Stirn zu bieten.

Schleswig-Holstein

Streikende Beschäftigte legten heute auch in Schleswig-Holstein viele Kitas lahm, in anderen gab es nur einen Notbetrieb. Streikhochburgen waren Kiel, Lübeck, Flensburg, Heide, Norderstedt, Neumünster, Quickborn und Großhansdorf. In Kiel, Lübeck und Flensburg fanden größere Demonstrationen statt. Matthias Heidn, GEW-Landesvorsitzender, zeigte sich mit der Streikteilnahme sehr zufrieden und forderte die Arbeitgeber zum Einlenken auf: "Gute Bildung gibt es nur gegen gute Bezahlung."

Auf alle komme eine harte Tarifauseinandersetzung zu, so Heidn: "Ich bitte die Eltern um Verständnis, dass die Beschäftigten jetzt zum Mittel des Streiks greifen müssen, um ihre legitimen Interessen durchzusetzen. Aber sie haben keine andere Wahl. Die Verantwortlichen dafür sitzen in den Rathäusern von Städten und Gemeinden, weil sie den Beschäftigten eine Bezahlung verweigern, die der Verantwortung ihrer Tätigkeit entspricht."

Fotos: Andrea Kauth, Joachim Geffers, GEW Saarland, Claus Scharschuch, Angelique Leuckefeld, Bernd Schauer

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