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Studie: Hoch motiviert trotz schlechter Arbeitsbedingungen

Niedersächsische Lehrkräfte sind gestresst und zufrieden zugleich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Georg-August-Universität Göttingen zur Belastung von Lehrkräften. Nur jede vierte Lehrkraft glaubt jedoch, gesund den Ruhestand zu erreichen.

26.10.2016

Neun von zehn LehrerInnen in Niedersachsen erleben der Studie zufolge oft oder sehr häufig Zeitdruck, drei Viertel müssen Abstriche bei der Qualität der Arbeit machen, um sie zu schaffen. Über 80 Prozent empfinden dieses Runterschrauben als Belastung. Nur jede vierte Lehrkraft hält es für wahrscheinlich, ohne gesundheitliche Einschränkungen den Ruhestand zu erreichen.

Trotzdem kommt die Studie zu folgendem Ergebnis: Niedersächsische Lehrkräfte sind motivierter und identifizieren sich mehr als andere Berufsgruppen mit ihrer Arbeit, obwohl sie ihre Arbeitsbedingungen, vor allem Arbeitsintensität und -zeit, schlechter beurteilen. "Man ist überzeugt vom Wert der Arbeit und nimmt dafür so manche Widrigkeit in Kauf", erklärte der Leiter der Studie, Frank Mußmann.

85 Prozent sind demnach zufrieden mit der Arbeit, 95 Prozent haben eine außerordentliche Identifikation mit ihrem Beruf. Gleichzeitig liegt die Bewertung der Arbeitsbedingungen bei 94 Prozent im unteren Mittelfeld beziehungsweise beim Ergebnis (sehr) schlechte Arbeit. Fast 90 Prozent erleben jedoch Kollegialität und Unterstützung.

Arbeit in großen Klassen besonders anstrengend

Zu den größten Stressfaktoren zählen Arbeiten wie Abschlussprüfungen, Korrekturzeiten, Gutachten und Leitungstätigkeiten. Auch Konferenzen und Fahrten mit Übernachtung werden als große Belastung gewertet. Lärm, die Begleitung schwieriger SchülerInnen oder der Umgang mit respektlosen Eltern nannten etwa 80 Prozent der Lehrkräfte (sehr) belastend. 69 Prozent sagen, dass die Arbeit in großen Klassen besonders anstrengend sei.

"Die neue Studie bestätigt vieles, was die Lehrkräfte vorher selbst wahrgenommen haben, aber nun ist es auf Grundlage einer wissenschaftlichen Untersuchung ausgewiesen. Entlastung muss prioritär auf die Tagesordnung", kommentierte Laura Pooth, stellvertretende Landesvorsitzende der GEW. Nach Worten des Landesvorsitzenden Eberhard Brandt wird die Gewerkschaft die Ergebnisse der Belastungsstudie zusammen mit der Arbeitszeitstudie in die Arbeitszeitkommission des Kultusministeriums einbringen. Der Arbeitszeitstudie zufolge wird an Gymnasien in Niedersachsen im Durchschnitt 3:05 Stunden zu viel gearbeitet. Das macht etwa 50.000 unbezahlte Überstunden pro Woche oder zwei Millionen Stunden Mehrarbeit pro Jahr.

An der Belastungsstudie nahmen vom 19. Februar bis 7. März 2016 insgesamt 2.108 Personen teil, die auch bei der Arbeitszeitstudie registriert waren.

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