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Streiks im Sozial- und Erziehungsdienst gehen weiter

Auch am dritten Streiktag sind die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst (SuE) voll motiviert. 40.000 Kolleginnen und Kollegen sind in vielen Städten erneut auf die Straße gegangen und forderten eine bessere Eingruppierung für ihre Tätigkeit.

12.05.2015 - Jens Kastner, Alexander Pistorius, GEW

Video von den Streiks in Sachsen: Burkhard Naumann

Bayern

In München trafen sich Streikenden aus dem Sozialdienst zu einer Kundgebung in Neuperlach. Darunter waren rund 300 KollegInnen aus den Sozialbürgerhäusern, dem Stadt- und mehreren Kreisjugendämtern, den Kreisjugendringen Stadt und Land, der Beratungsstellung und der Schulsozialarbeit. In Anschluss an die Kundgebung besuchten KollegInnen noch die Beschäftigten mehrerer städtischer Einrichtungen.

Auch in Nürnberg wurden die Streiks fortgesetzt. Das Streiklokal wurde zur Protestzentrale: SozialpädagogInnen, ErzieherInnen und KinderpflegerInnen sendeten zahlreiche Aktionspostkarten an den Verhandlungsführer der kommunalen Arbeitgeber und lieferten Argumente für eine Aufwertung ihres Berufs. „Ich streike weil der Lohn für die Dauer meiner Ausbildung und die hohe psychische und physische Belastung nicht angemessen ist! Trotzdem liebe ich meinen Beruf!“ schreibt eine Kollegin und hofft, dass ihre Argumente nicht wieder auf taube Ohren stoßen.

Hamburg

In der Hansestadt trafen sich die Streikenden in Hamburg-Hammerbrook um dem dort ansässigen Arbeitgeber deutlich zu machen, dass der Streik noch lange weitergehen wird, wenn die Arbeitgeberverbände kein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen.

Die Hamburger DGB-Vorsitzende Katja Karger sagte im Interview mit MedienverterterInnen, dass sich die sich die Beschäftigten des Sozial- und Erziehungsdienstes zu Recht im Streik befänden. Deren Arbeit würde hoch geschätzt, aber mies bezahlt. Die Aufwertung müsse jetzt erfolgen! Karger lobte die Eltern, die trotz der zusätzlichen Belastung, die der Streik für sie mitbringt, nach wie vor die Forderungen unterstützen.

Dass auch in der kommenden Woche der Streik in Hamburg weitergeht, wurde unter dem Beifall der fast 3.000 Streikenden auf der heutigen Kundgebung bekanntgegeben.

Nordrhein-Westfalen

Streiks mit hoher Beteiligung gab es auch in den nordrhein-westfälischen Städten Köln, Dortmund, Bonn, Siegburg, Münster und Herne.

Rheinland-Pfalz

Heute wurden 200 Einrichtungen des Sozial- und Erziehungsdienstes, darunter alle städtischen Kindertagesstätten in Trier und Kirchheimbolanden sowie etliche weitere Einrichtungen in allen rheinland-pfälzischen Regionen bestreikt. Parallel wurden vier zentrale Kundgebungen in Immelheim, Speyer, Koblenz und Trier mit über 5.000 TeilnehmerInnen abgehalten.

"Es kann nicht vom Geldbeutel einer Kommune abhängen, welche Bildung,Erziehung und Betreuung unsere Kinder bekommen. Nehmt die Steuer-Mehreinnahmen und finanziert damit die Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe", sagte Norbert Hocke unter Beifall vor den rund 2.000 Streikenden in Trier. Das GEW-Vorstandsmitglied für den Bereich Jugendhilfe und Sozialarbeit appellierte an die Kolleginnen und Kollegen: "Ihr streikt nicht aus Jux und Tollerei, hier geht es um die Zukunft eines tollen Berufes!"

Saarland

Nahezu 1.000 Beschäftigte des kommunalen Sozial- und Erziehungsdienstes sind heute im Rahmen ihres Streiks für die Aufwertung ihrer Berufe in Saarbrücken vom Schloss zur Zentrale des kommunalen Arbeitgeberverbandes demonstriert.

Philipp Reiß, Sprecher des Elternbeirates beim Regionalverband, überbrachte solidarische Grüße der Elternschaft. Ver.di-Bezirksleiter Thomas Müller wies in seiner Rede die Diffamierungen der Arbeitgeber zurück und erläuterte die Forderungen der Gewerkschaften. GEW-Landesvorsitzender Peter Balnis unterstrich in seiner Rede, dass es bei diesem Streik auch um die Lohndiskriminierung von Frauen und um die Berechtigung von Streiks in sozialen Berufen geht. Beide Redner betonten, dass die Streiks im Sozial- und Erziehungsdienst eine gemeinsame Sache von ver.di und GEW sind.

Am Ende der bunt gemischten Kundgebung ließen die TeilnehmerInnen Luftballons steigen als Symbol für langen Atem und für ihre Bereitschaft so lange zu streiken bis ein akzeptables Angebot vorliegt.

Sachsen

Auch in Sachsen gingen die Streiks der Beschäftigten in den kommunalen Kindertagesstätten und Sozialeinrichtungen weiter. Allein in Dresden und Leipzig nahmen weit über tausend ErzieherInnen und SozialarbeiterInnen am Streik teil.

"Ihr schafft keine Produkte, die ungeheure Gewinne erbringen und einige wenige steinreich machen. Nein, ihr leistet weitaus mehr! Ihr sorgt dafür, dass kleine Menschen ihren Weg ins Leben finden. Ihr sorgt dafür, dass dieses Land eine Zukunft hat, nicht mehr, und nicht weniger!"

Uwe Preuß, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der GEW Sachsen, fand die richtigen Worte für die Streikenden SuE-Beschäftigten auf der Kundgebung in Dresden.

Sachsen-Anhalt

n Sachsen-Anhalt wurde heute erneut in Halle, Dessau und Köthen gestreikt, darunter waren zahlreiche Kitas sowie der Allgemeine Sozialdienst. Die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, darunter viele von der Jungen GEW, nutzten die Arbeitsniederlegung für Austausch, gemeinsame Aktionen, Streik-Workshops und Transpi-Gestaltung.

Bereits beim gestrigen Streiktag haben sich die Beschäftigten für eine Ausweitung der Maßnahmen ausgesprochen. Der GEW-Landesvorsitzende Thomas Lippmann erklärte dazu heute in Magdeburg: „Im Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort spürt man sehr deutlich, dass es ihnen mit ihrer Forderung nach Anerkennung sehr ernst ist.“ Die Beschäftigten seien nicht mehr bereit, sich mit Brosamen für wenige abspeisen zu lassen. „Wir entsprechen deshalb den Wünschen unserer Mitglieder und forcieren den Arbeitskampf.“

Thüringen

Heute haben die im Sozial- und Erziehungsdienst Beschäftigten der Städte Erfurt, Gotha, Weimar und Jena ihre Arbeit nieder gelegt und sind in einen unbefristeten Streik getreten.

Zur zentralen Streikversammlung in Jena kamen mehr als 350 Beschäftigte. Die Stimmung unter den Streikenden war kämpferisch, für ihre gute und gesellschaftlich enorm wichtige Arbeit wollen sie endlich auch eine entsprechende finanzielle Anerkennung.

Für den morgigen 13. Mai sind die Beschäftigten zur zentralen Streikkundgebung in Erfurt eingeladen.

Fotos: Björn Köhler, U. Ferraro/K. Kirchhoff, Dieter Gregorie, Andreas Sánchez Haselberger, Daniel Merbitz, GEW

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