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University and College UnionStreik an britischen Hochschulen

Seit Montag werden die britischen Universitäten bestreikt. Mitglieder der „University and College Union” (UCU) kämpfen für mehr Geld, bessere Arbeitsbedingungen und gegen steigende Beiträge zur Altersversorgung der akademisch Beschäftigten.

 

27.11.2019 - Manfred Brinkmann

In britischen Hörsälen, Seminarräumen und Bibliotheken blieb es zu Wochenanfang ungewöhnlich ruhig. Die britische Hochschulgewerkschaft University and College Union (UCU) hatte ihre 120.000 Mitglieder aufgerufen vom 25. November bis 4. Dezember an acht Tagen zu streiken. Rund achtzig Prozent der UCU-Mitglieder hatten sich zuvor  in einer Urabstimmung  für einen Arbeitskampf ausgesprochen. Bereits 2018 hatten UCU-Mitglieder zwei Wochen erfolgreich gegen die drohende Privatisierung ihrer Altersversorgung gestreikt. Auch diesmal geht es wieder um die Altersversorgung, aber auch die um Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Hochschulbeschäftigten.

„Viele unserer Mitglieder sehen sich gezwungen, von einem befristeten Arbeitsvertrag zum nächsten zu wechseln.“ (Jo Grady )

Nach Angaben der UCU sind die Gehälter der wissenschaftlich Beschäftigten an britischen Hochschulen seit 2009 inflationsbereinigt um zwanzig Prozent gesunken. Gleichzeitig seien die Anforderungen und Belastungen der Hochschulbeschäftigten ständig gestiegen. Obwohl noch immer rund zwei Drittel der Beschäftigten an britischen Hochschulen unbefristete Arbeitsverträge besitzen, nimmt die Prekarisierung der lehrenden und forschenden WissenschaftlerInnen immer mehr zu. „Viele unserer Mitglieder sehen sich gezwungen, von einem befristeten Arbeitsvertrag zum nächsten zu wechseln“, begründet die UCU Generalsekretärin Jo Grady den Streik. Dazu komme die weiterhin ungleiche Bezahlung: „Frauen in akademischen Berufen verdienen im Durchschnitt noch immer fünfzehn Prozent weniger als Männer „, bemängelt Grady.

Beschäftigte wehren sich gegen Beitragserhöhungen zur Altersvorsorge

Wichtigstes Anliegen der Streikenden sind jedoch erneut ihre Pensionsregelungen. Nachdem es der UCU 2018 durch massive Streikaktionen gelungen war, eine Privatisierung der Altersvorsorge zu verhindern, sehen die Akademikerinnen und Akademiker sich nun mit erheblichen Beitragssteigerungen konfrontiert: Von acht Prozent in 2018 auf 9,6 Prozent in diesem Jahr. Weitere Erhöhungen sind für 2021 geplant. „Wir lehnen das ab“, sagte Jo Grady. Berechnungen unabhängiger Experten hätten ergeben, dass Beitragssteigerungen in dieser Höhe nicht notwendig seien. Auch Grady lehnt höhere Beiträge ab: „Wenn die Arbeitgeber höhere Beiträge wollen, dann sollen sie die auch bezahlen.“

GEW-Delegation beim UCU-Streik 2018 in London (Foto: Jane Atkins)

Qualitätsverlust in Forschung und Lehre befürchtet

Die UCU warnt davor, dass  die schlechten Arbeitsbedingungen an britischen Hochschulen die Qualität von Forschung und Lehre bedrohen. „Wir laufen Gefahr, gute Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verlieren. Die Universitäten müssen anerkennen, dass Investitionen in Personal Investitionen in die Qualität der Hochschulbildung im Vereinigten Königreich sind“, so Grady. Der Ball liege jetzt bei den Arbeitgebern: „Wir sind bereit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, sobald die Arbeitgeber mit ernsthaften Vorschlägen kommen.“

GEW zeigt sich solidarisch mit UCU-Streik

In einem Schreiben an die UCU-Generalsekretärin bekunden die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe und ihr Stellvertreter Andreas Keller, der im GEW-Vorstand auch für Hochschule und Forschung verantwortlich ist, ihre Unterstützung des UCU-Streiks: „Eure Forderungen sind gerechtfertigt. Auch die Studierenden sind sich dessen bewusst. Unsere kleine GEW-Delegation, die letztes Jahr im Februar an eurer Streikaktion in London teilnehmen konnte, war beeindruckt von den vielen Studentinnen und Studenten, die gemeinsam und solidarisch mit ihren Lehrenden demonstrierten. Wir wünschen euch einen erfolgreichen Streik und ein gutes Ergebnis.“

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