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Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern„Staatsvertrag zur Deckung des Lehrkräftebedarfs“

Angesichts des massiven Lehrkräftemangels unterstützt die GEW die neue Rackles-Studie. Sie empfiehlt, die Länder rechtlich verbindlich zu verpflichten, ausreichend auszubilden.

24.09.2020

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützt den Vorschlag des ehemaligen Berliner Staatssekretärs Mark Rackles (SPD) für einen „Staatsvertrag zur Deckung des Lehrkräftebedarfs“. „Seit Jahren bilden die Hochschulen 40 Prozent weniger Lehrerinnen und Lehrer aus als an den Schulen benötigt werden. Die Folge: Viele Stellen können nicht besetzt werden, für andere werden Quer- und Seiteneinsteiger eingestellt, häufig ohne diese nachzuqualifizieren. Am Ende leiden unter dem Lehrkräftemangel die Schülerinnen und Schüler“, sagt Andreas Keller, stellvertretender GEW-Vorsitzender und Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung, mit Blick auf die Rackles-Studie.

„Es ist absurd: Viele junge Leute möchten gerne Lehramt studieren, erhalten aber aufgrund eines hohen NC keinen Studienplatz.“ (Andreas Keller)

In der Coronakrise habe sich die Situation weiter zugespitzt, da häufig weder eine individuelle Betreuung garantiert werden kann noch Klassen in Kleingruppen geteilt werden können. „Wir brauchen eine rechtlich verbindliche Verpflichtung der Länder, ausreichend Lehrerinnen und Lehrer auszubilden“, führte Keller weiter aus.

Er  machte darauf aufmerksam, dass für über die Hälfte der grundständigen Lehramtsstudiengänge ein Numerus clausus (NC) gelte. „Es ist absurd: Viele junge Leute möchten gerne Lehramt studieren, erhalten aber aufgrund eines hohen NC keinen Studienplatz. Sie schreiben sich dann in andere Studiengänge ein, womöglich um nach dem Studium als Quereinsteiger an der Schule anzuheuern. So darf es nicht weitergehen. Die Länder müssen gemeinsam dafür Verantwortung übernehmen, Studienplätze an den Hochschulen sowie Kapazitäten im Vorbereitungsdienst bedarfsgerecht auszubauen. Das setzt außerdem eine verlässliche Bedarfsprognose und Kapazitätsplanung voraus“, mahnte der GEW-Hochschulexperte.

Kritik am „föderalen Flickenteppich“

Er forderte die Länder darüber hinaus auf, verbindlich gemeinsame Strukturvorgaben und Standards für die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer festzulegen. „In Deutschland führen 49 verschiedene Abschlüsse in 4.735 Studiengängen zum Lehramt. Der föderale Flickenteppich unterschiedlichster Ausbildungsmodelle erschwert Studienberechtigten die Orientierung und behindert die Mobilität der Studierenden, Absolventinnen und Absolventen. Die vagen und unverbindlichen Beschlüsse und Richtlinien der Kultusministerkonferenz zementieren das System, statt es weiterzuentwickeln. Ein Staatsvertrag mit Gesetzeskraft könnte die überfällige Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung anstoßen“, betonte Keller.