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Lehrkräftemangel Spiegel-Umfrage: Ost-Bundesländer locken mit Provinzzulage

In Ostdeutschland locken laut einer Spiegel-Umfrage vier Bundesländer Lehrkräfte mit Zulagen an Schulen in abgelegenen Gebieten. Die GEW lehnt eine solche Prämie nur für neue Kolleginnen und Kollegen als ungerecht ab.

28.08.2019

Mit finanziellen Anreizen wollen die vier ostdeutschen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg Schulen in ländlichen Gebieten attraktiv für Lehrkräfte machen. Die westdeutschen Länder Schleswig-Holstein und Niedersachsen planten einen ähnlichen Schritt, ergab eine Umfrage des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Die GEW Niedersachsen kritisiert die Zulage. In Sachsen ist die Bildungsgewerkschaft noch skeptisch: „Ob das nachhaltig wirkt, wird man erst noch sehen“, sagte die Landesvorsitzende Uschi Kruse im „E&W“-Interview (Septemberausgabe).   

Die höchste Zulage bekommen dem Spiegel-Bericht zufolge Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst in Sachsen: Sie erhalten seit dem 1. August 1.000 Euro zusätzlich zu ihrem Grundgehalt von 1.500 Euro, wenn sie diese Ausbildungsphase außerhalb der Ballungszentren Leipzig und Dresden ableisten und danach mindestens fünf Jahre an einer Schule auf dem Land unterrichten. Auch fertige Lehrerinnen und Lehrer können dort bis zu 600 Euro mehr im Monat bekommen.

Lehrkräfte in Brandenburg erhalten laut Umfrage in sogenannten Bedarfsregionen 300 Euro brutto zusätzlich im Monat. Mecklenburg-Vorpommern bietet bei schwer zu besetzenden Stellen auf dem Land und in der Stadt im Ausnahmefall die Eingruppierung in eine höhere Erfahrungsstufe an. Sachsen-Anhalt praktiziert ein ähnliches Modell, die Verbesserung kann dort bis zu 500 Euro brutto monatlich bedeuten.

Schleswig-Holsteins Landesregierung will den Angaben zufolge Referendarinnen und Referendaren an einigen Schulen an der Westküste 250 Euro brutto zusätzlich zahlen. Niedersachsen plant eine sogenannten Flächenprämie für Sekundarschullehrkräfte in fünf Modellregionen, in denen Bewerberinnen und Bewerber fehlen.

„Wenn nun ein neuer Kollege für dieselbe Tätigkeit eine Zulage erhält, ist das ungerecht.“ (Christian Hoffmann)

Die GEW Niedersachsen kritisiert das Vorgehen: „Wir haben im ländlichen Raum viele Lehrkräfte, die seit Jahren unter schwierigen Bedingungen arbeiten“, sagte Gewerkschaftssekretär Christian Hoffmann dem Nachrichtenmagazin. „Wenn nun ein neuer Kollege für dieselbe Tätigkeit eine Zulage erhält, ist das ungerecht.“ Er plädierte dafür, auch die etablierten Lehrkräfte finanziell besser zu stellen.

Kruse zufolge haben sich einige Referendarinnen und Referendare in Sachsen auf die Zulage eingelassen. „Nun bleibt zu hoffen, dass es einen gewissen ‘Klebeeffekt’ gibt und einige junge Kollegen dort bleiben, weil es ihnen gefällt“, sagte sie. Eine „Gewinnungszulage“ für Lehrkräfte von etwa 750 Euro brutto monatlich für jene Kolleginnen und Kollegen, die aufs Land gingen, verpuffte allerdings inzwischen: Wenn man diese Lehrkräfte verbeamte, werde die Zulage gestrichen. Sachsen ist wie kaum ein anderes Bundesland vom Lehrkräftemangel betroffen – vor allem an Förder- und Oberschulen in den ländlichen Regionen.

In Schleswig-Holstein gibt sich die GEW grundsätzlich aufgeschlossen für den Vorschlag von Bildungsministerin Karin Prien (CDU), mit einem Regionalzuschlag Lehrerinnen und Lehrer im Vorbereitungsdienst an nicht so nachgefragte Orte zu locken: „Das ist einen Versuch wert“, sagte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Katja Coordes. Vor einem abschließenden Urteil müssten allerdings die genauen Modalitäten bekannt sein.  

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