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Soziologe sieht "große Gefahr eines neuen Rechtsterrorismus"

07.03.2016

Bei einem Zehntel der Gesellschaft verdichteten sich rassistische und rechtsextreme Einstellungen, sagt Soziologe Matthias Quent. Den etablierten Parteien falle es schwer, diese Bevölkerungsgruppen zu integrieren oder politisch zu isolieren.

"Ob die Gesellschaft durch diese Polarisierung langfristig wirklich nach rechts driftet, hängt weniger von der AfD als vielmehr davon ab, wie die restlichen 90 Prozent und die anderen Parteien reagieren", betonte Quent, der im Kompetenzzentrum Rechtsextremismus an der Friedrich-Schiller-Universität Jena arbeitet. Statt AfD und Pegida als „besorgte Bürger“ zu verharmlosen und sich die eigene politische Agenda von ihnen mitdiktieren zu lassen, brauche es klare Gegenpositionen.

Quent vermutet, dass die Straßenproteste mit Beginn der wärmeren Jahreszeit wieder zunähmen, sich insbesondere junge Rechte weiter radikalisierten und noch mehr Gewalttaten verübten. "Die Gefahr eines neuen Rechtsterrorismus ist ebenso groß." Die AfD könnte zudem zum deutschen Front National (FN) werden. "Programmatisch haben AfD und FN in Frankreich viel gemeinsam", sagte der Rechtsextremismusforscher.

Mit Blick auf die Forderung von SPD-Chef Sigmar Gabriel, die AfD vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen, betonte Quent, nachrichtendienstliche Mittel sollten nur eingesetzt werden, um schwere Gewalttaten zu verhindern. Er sehe aber keinen Hinweis dafür, dass in der AfD Gewalttaten vorbereitet würden.

Das vollständige Interview von Heike Kleffner ist in der Märzausgabe der "E&W" nachzulesen.

Wie sich die AfD vor den anstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt in den Umfragen darstellt, haben wir in einem Storify abgebilldet.

Bildnachweis: strassenstriche.net, CC BY-NC 2.0 

 

 

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