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Sommerferien in der Arbeitslosigkeit

In wenigen Wochen wird die Zahl der arbeitslos gemeldeten Lehrkräfte wohl wieder um Tausende ansteigen: Während der Sommerferien werden etliche LehrerInnen in den Arbeitslosenstatus versetzt. Besonders verbreitet ist die Praxis in Baden-Württemberg.

23.05.2016

Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit waren im Sommer 2015 rund 7000 Pädagogen bundesweit zusätzlich zur normalen Fluktuation arbeitslos gemeldet. Inoffiziell dürften es noch mehr sein. "Denn zu den Gemeldeten kommen jene hinzu, die wegen fehlender Leistungsvoraussetzungen gar kein Arbeitslosengeld erwarten und auf einen Anschlussvertrag nach den Ferien hoffen", sagte Marlis Tepe, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Wochenzeitung "Kontext". Besonders skandalös sei die Praxis im grün regierten Baden-Württemberg: Einer von drei Betroffenen kommt aus dem reichen Südwesten, was laut Analyse der Landes-GEW damit zu tun hat, dass seit einigen Jahren nur noch etwa die Hälfte aller BewerberInnen verbeamtet wird.

Im Bundesvergleich überdurchschnittlich viele "junge, gut ausgebildete und motivierte Menschen" könnten nur dann im erlernten Beruf arbeiten, "wenn sie eine befristete Beschäftigung als Krankheitsvertretung ergatterten", sagte Tepe. Bezahlt würden sie als Tarifbeschäftigte des Landes Baden-Württemberg deutlich schlechter als ihre KollegInnen im Staatsdienst. Bei vielen wiederhole sich der Wechsel aus befristeter Beschäftigung und Arbeitslosigkeit über mehrere Jahre hinweg, teilweise mit mehreren Verträgen pro Schuljahr. Ein Hauptgrund: "Es gibt immer noch zu wenig fest eingestellte Vertretungslehrkräfte." Die GEW fordert seit Jahren, die ständige Vertretungsreserve auf fünf Prozent zu erhöhen.

In wenigen Wochen könnten in Baden-Württemberg statt der erfassten 2000 rund 10 000 Pädagogen arbeitslos werden, darunter 7000 Referendare. In den sechs Wochen Sommerferien gibt es nicht einmal einen Anspruch auf Arbeitslosengeld, weil die befristeten Anstellungen meist kürzer als das dafür geforderte volle Jahr sind. Wer ein Jahr Unterrichten ohne Unterbrechung nicht vorweisen kann, bekommt Hartz IV.

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