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Skandalöse Befristungspraxis: Lehrer als Saisonarbeiter

Als Skandal hat GEW-Vorstandsmitglied Ilse Schaad die Befristungspraxis vieler Bundesländer bezeichnet, die tausende Lehrerinnen und Lehrer über die Sommerferien in die Arbeitslosigkeit entlassen. Die Süddeutsche Zeitung hatte zuvor über ein Papier der Bundesagentur für Arbeit berichtet, dem zufolge sich im letzten Sommer 5.400 Lehrkräfte arbeitslos melden mussten - obwohl sie nach Ferienende weiter beschäftigt wurden. Insgesamt dürfte die Zahl derjenigen, die in den Ferien ohne Anstellung dastehen, indes noch höher sein.

13.05.2013

Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 30.000 befristet beschäftigte Lehrkräfte. Allein in Nordrhein-Westfalen sind von 43.000 Angestellten 13.000 befristet. Die langjährige Praxis, die Sommerferien aus den Kettenbefristungen auszuklammern, ist unter anderem in Hessen ein großes Thema: Dort beschäftigte sich im Jahr 2008 bereits der Landtag damit. Von den 6.000 in Hessen befristet Beschäftigten ist der Großteil ohne Sommerferienbezahlung.

Arbeitslosigkeit klettert um 1400 Prozent

Auch der Bundesagentur für Arbeit (BA) fällt dieser „sprunghafte Anstieg der Arbeitslosigkeit", der nach Ende der Ferien wieder deutlich zurückgeht, bereits seit Jahren auf. Spitzenreiter 2012 war laut BA-Statistik Baden-Württemberg. Dort werden etwa 2.000 befristet angestellte und für Krankheitsvertretungen eingesetzte Lehrkräfte jährlich zum Ferienbeginn von der Landesregierung entlassen, obwohl die meisten von ihnen im neuen Schuljahr wieder unterrichten werden. Die Zahl der arbeitslosen Lehrer kletterte damit im August um satte 1.400 Prozent.

In Rheinland-Pfalz und Bayern ist das Phänomen ebenfalls verbreitet. Bereits 2001 hatte der Bundesrechnungshof dem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge kritisiert, Länder würden sich „eines Teils ihrer Arbeitgeberverpflichtungen zulasten des BA-Haushalts entledigen".

„Die Arbeitslosenversicherung ist nicht dafür da, Lehrer im Juli oder August zu bezahlen weil die Länder Geld sparen wollen“, machte Ilse Schaad deutlich, die in der GEW für Angestellten- und Beamtenpolitik verantwortlich ist. Dabei melden sich längst nicht alle Kolleginnen und Kollegen arbeitslos. Die Missstände dürften noch deutlich größer sein als es dem Arbeitsmarktbericht der BA zu entnehmen ist.

Notstundenpläne und Unterrichtsausfall sind die Konsequenz

Der Missbrauch der Arbeitslosenversicherung durch die Länder bringt die angestellten Lehrerinnen und Lehrer zusätzlich um ihren Urlaub. „Ferien sind unterrichtsfrei, aber nicht arbeitsfrei. Deshalb können die betroffenen Lehrkräfte den ihnen zustehenden Urlaub in den restlichen Ferien nicht nehmen“, erklärt Schaad.

Schaad betont weiter, dass die Kolleginnen und Kollegen allein zum Zwecke des Bezuges von Arbeitslosengeld arbeitslos gemacht würden. „Dahinter steckt die längst überholte Vorstellung, dass pädagogische Arbeit nur während der Unterrichtszeit anfällt.“

Die Folge dieser Politik ist auch, dass am ersten Schultag nach den Ferien kein regulärer Unterricht stattfinden kann und es in vielen Schulen am Anfang des Schuljahres „Notstundenpläne" gibt, weil noch nicht alle Lehrer mit neuen befristeten Verträgen wieder eingestellt worden sind. Denn, so Schaad, „in Zeiten des Lehrermangels gehen die Lehrkräfte dorthin, wo sie einen anständigen Vertrag angeboten bekommen.“

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