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Sexualisierte Übergriffe sind für viele Jugendliche Normalität

07.03.2016

Sexismus gehört zum Alltag in vielen Klassenzimmern. Die Schule ist mehr denn je gefordert, für Geschlechterbilder zu sensibilisieren und Strategien zur Prävention gegen sexuelle Gewalt zu entwickeln.

Für einen Austausch über das Geschlechterverhältnis biete Schule die besten Möglichkeiten, sagt die Lehrerin für Deutsch als Zweitsprache (DaZ), Raika Wiethe. Sie arbeitet für das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein und gibt Fortbildungen in interkultureller Bildung und Erziehung. „Die meisten Jugendlichen sind neugierig, wie es bei uns zwischen Mann und Frau so läuft und wie man sich kennenlernen kann.“ Am überzeugendsten sei es, wenn Werte und Normen auch vorgelebt würden. „Wenn Lehrkräfte in gemischten Teams unterrichten, können sie zeigen, was eine gleichberechtigte Aufteilung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten und ein respektvoller Umgang miteinander bedeuten.“

In Vorbereitungsklassen für Flüchtlinge treffen Lehrkräfte indes nach eigenen Aussagen seltener auf Sexismus oder sexualisierte Gewalt als in vielen Regelklassen. „Sexualisierte Übergriffe durch Gleichaltrige sind für viele Jugendliche schon immer Normalität. Sie reichen von sexistischen Sprüchen in den Klassen über sexuelle Belästigung im Internet bis zu sexueller Gewalt im privaten Bereich“, berichtet Ursula Schele, Leiterin des Kieler Präventionsbüros Petze.

Sexismus auch in bildungsnahen Milieus

„Sexualisierte Gewalt ist keineswegs nur ein Problem Jugendlicher aus Einwandererfamilien“, sagt auch Bernd Priebe, Leiter der Hamburger Beratungsstelle für sexuell übergriffige Jugendliche „Wendepunkt“. Nur etwa die Hälfte der Jugendlichen, die seine Beratungsstelle betreut, sei nichtdeutscher Herkunft. Eine subtile Form des Sexismus beobachtet Olaf Jantz von „mannigfaltig“, einem Institut für Jungenarbeit in Hannover, selbst bei Jungen aus bildungsnahen Milieus.

Die Leiterin der Abteilung Beratung – Vielfalt, Gesundheit und Prävention am Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI), Beate Proll,  sieht viele Schulen in der Stadt für den Umgang mit sexualisierter Gewalt zwar gut aufgestellt. „Was jedoch fehlt, ist die Verankerung einer reflektierten Geschlechterpädagogik“, moniert sie.

Den vollständigen Artikel von Michaela Ludwig finden Sie in der Märzausgabe der "E&W".

Außerdem haben wir zusammengestellt, wie sich die Sexismus-Debatte nach den Übergriffen Silvester in Köln in den sozialen Netzwerken abbildet. 

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